Schausportler mit Doppelherz fürs Öko-Gewissen

Motor / 26.04.2019 • 11:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lang, flach, breit: das ebenso luxuriöse wie sportiv ausgerichtete Lexus-Coupé zelebriert den spektakulären Auftritt in jeder Hinsicht. VN/steurer
Lang, flach, breit: das ebenso luxuriöse wie sportiv ausgerichtete Lexus-Coupé zelebriert den spektakulären Auftritt in jeder Hinsicht. VN/steurer

Der Lexus LC 500 offeriert als Hybrid-GT keine Magerkost.

lexus Toi, toi, toi, ist man geneigt Toyota zuzurufen, wenn es für die Japaner darum geht, mit der hauseigenen Nobelmarke Lexus auch hierzulande gleichsam mehr Räder auf den Asphalt zu bringen. Die Nippon-Luxus-Automobile sind immer noch ein vergleichsweise exotischer Geheimtipp in der Premiumliga. Um das gesteigerte Interesse von Autofans zu wecken, die über eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit verfügen und dem technologischen Zeitgeist sowie dem ethisch-moralischen Umweltgedanken frönen, legen die Lexus-Leute inzwischen eine Öko-Gewissenhaftigkeit an den Tag, die auf ein höheres Überholspur-Prestige abzielt. Die grüne Imagepflege stellt die Luxusmarke etwa mit dem Sport-Coupé Lexus LC 500 in die Auslage, das auch in moderner Hybrid-Version vorfährt. Der augenfällig aufreizend gestaltete Gran Turismo (GT) ist gewissermaßen ein Auto der zwei Gesichter: dynamisch-energisch ambitioniert und ökologisch-ökonomisch diszipliniert.

Dass der Lexus LC 500h so einigen drauf hat, das ihn im Vergleich mit anderen sportiven Auto-Athleten tatsächlich auf Augenhöhe begegnen lässt, offenbart der asiatische Schaustehler unterm scharf-schnittigen Blechkleid durch seine Motorenkombination. Da steckt ein bulliger V6-Saugbenziner drin, der satte 299 PS entwickelt. Im Zusammenspiel mit dem 179-PS-Elektromotor ergibt das eine Systemleistung von 359 PS. Das lässt erahnen, dass das Hybrid-Sport-Coupé bei verschärfter Herausforderung als Hecktriebler kräftig Gummi am Asphalt lässt. Heftige Gasbefehle quittiert der mit knapp zwei Tonnen zudem ziemlich gewichtige Lexus-GT überdies mit einem Hinaufschnellen der Drehzahl und aufheulendem Motor.

Tatsächlich lässt sich das Fahrerlebnis im Nippon-Coupé vom Start weg infolge der Hybridtechnik aber auch vergleichsweise unspektakulär genießen. Im E-Modus geht es mit Disziplin zur Gelassenheit einige Kilometer weit flüsterleise dahin. Einigermaßen besonnen-sanft durch den Stadtverkehr bewegt, beruhigt der Teilzeitelektriker so das Öko-Gewissen. Die geringe Batteriekapazität lässt allerdings keine allzu ausdauernd abgasfreien Stromertouren zu. Was man überdies wissen muss, ist, dass der mit 6,4 Liter angegebene Kraftstoffverbrauch auf die 100-km-Distanz im Alltagsbetrieb einen ziemlich akademischen Wert darstellt. In unserem Fall lag der Durchschnittsverbrauch deutlich über acht Liter. Was eingedenk anderer Sportskanonen, die ansonsten unterwegs sind, dann allerdings schon wieder eine echt respektable Leistung ist. Eine überzeugende Vorstellung liefert der LC 500h hinsichtlich der Ausstattung ab. Das noble Interieur schmeichelt allen Sinnen, schnell stellt sich ein Wohlgefühl ein. Das topaktuelle Navi- und Infotainmentsystem sowie die Armada an Assistenz- und Komfortfeatures steigern den Eindruck noch. Einzig irritierend wirkt das minimalistische Kofferraumvolumen mit gerade einmal 172 Liter Fassungsvermögen. VN-HGP

Zum ultimativen Sportler reicht´s nicht ganz, dafür ist der Zwei-Tonner einfach zu schwer geraten.

Extrem auffällig stellt sich auch die wuchtige Heckpartie zur Schau.
Extrem auffällig stellt sich auch die wuchtige Heckpartie zur Schau.
Nobles Interieur in Leder und Alcantara mit Großdisplay im Cockpit.
Nobles Interieur in Leder und Alcantara mit Großdisplay im Cockpit.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 299-PS-V6-Zylinder und 132-kW-Elektromotor, 350 Nm bei 5100 U/min, Stufenlos-Automatik

Fahrleistung/Verbrauch 0-100 km/in 5,0 Sek., Spitze: 250 km/h, EU-Norm: 6,5 l (148 g CO2/km) Test: 8,8 l

Preis Grundpreis (Luxury): 105.900 Euro, Testauto (Sport+): 112.900 Euro