Angriff auf Tesla: So fährt sich das erste Mercedes-SUV mit Elektroantrieb

Motor / 19.05.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erste VN-Testfahrt mit dem Mercedes EQC: Emissionsfreie Mobilität trifft auf Mercedes-Tugenden alter Schule. WERK

Warum der Mercedes EQC Klassenprimus sein will und wie sich der elektrische Schwabe fährt.

Oslo Lange hat es gedauert, aber jetzt machen auch die etablierten Hersteller mit. Die Elektrowelle rollt an. Bei Mercedes-Benz sollen es in den nächsten Jahren zehn Batterieautos sein, die unter der neuen Produkt- und Technologiemarke EQ an den Start gehen. Den Auftakt macht ein geräumiges SUV (EQC), das die VN in Oslo, der „Haupstadt der E-Mobilität“, bereits fahren konnten. Das Anspruchsdenken der Schwaben ist bekanntlich hoch. Es soll mehr geboten werden als ein gewöhnlicher Stromer. Mercedes hat mit EQ einen ganzheitlichen Ansatz gewählt, will Elektromobilität mit Intelligenz kombinieren und gleichzeitig die Kernwerte der Marke wie Qualität, Sicherheit oder Komfort gewähren. Hört sich nach einem ambitionierten Vorhaben an.

Keine Experimente: Im Innenraum bietet der EQC gewohnte Sternenqualität.
Keine Experimente: Im Innenraum bietet der EQC gewohnte Sternenqualität.

Wo ein Stern an der Fahrzeugfront selbstbewusst strahlt, ist Verlass auf großes Know-how im Autobau. Erfahrung ist messbar, etwa in gleichmäßig kleinen Spaltmaßen der Karosserie. Die handwerkliche Tradition des Hauses verkörpert der EQC in optisch progressiver Ausprägung, bleibt dennoch unverkennbar ein Mercedes. Auch innen ist das so. Der Premiumhersteller verlässt sich bei Verarbeitung und Materialien ganz auf seine Kompetenzen und verzichtet auf Experimente. Fühlt sich gut an, der Stromer aus Stuttgart. Einsteigen, losfahren – alles genauso wie bei den Benzinbrüdern. Nur noch etwas leiser. Zum Flüsterantrieb gesellt sich ein Akustikpaket, das den EQC zum echten Leisetreter macht und so beim Komfort noch einmal auf eine andere Ebene hebt. Es kann losgehen.

Vollgeladen kommt der elektrische Schwabe bis zu 471 Kilometer weit (NEFZ).
Vollgeladen kommt der elektrische Schwabe bis zu 471 Kilometer weit (NEFZ).

Der Tritt aufs Gaspedal will wohldosiert betätigt werden. Mit seinen 407 PS und 760 Nm Drehomoment zeigt das 4,7-Meter-SUV Temperament. 0 auf 100 in 5,1 Sekunden. Da bleibt einem fast der Atem weg. Allradantrieb sorgt dafür, dass die Kraft auf die Straße kommt. Der tiefe Schwerpunkt hält das 2,5-Tonnen-Gefährt auch in Kurven noch einigermaßen agil. Wobei die 652 Batterie-Kilos schon spürbar sind.

Progressive Designsprache und reichlich Platz.
Progressive Designsprache und reichlich Platz.

Das Herzstück des Stromers mit 80 kWh Energieinhalt belastet bei miserablem Untergrund den Federungskomfort ein wenig – aber nur dann. Die Lithium-Ionen-Batterie ermöglicht allerdings feine Reichweiten von genormten 445 bis 471 Kilometer. Real sollten rund 370 Kilometer damit jedenfalls zu schaffen sein. Wobei sich Mercedes nicht auf die Leistungsfähigkeit des Energiespeichers verlässt, sondern auf ein intelligentes Zusammenspiel von Antrieb, Batteriemanagement, Lademanagement, Rekuperationsstrategien, digitalen Diensten und dem Infotainmentsystem setzt. Selbst die Navigation ist intelligenter als andere, nimmt Rücksicht auf Ladezustand der Batterie, Wetterdaten, Topographie und verfügbare Ladestationen. Schnellladen ist in 40 Minuten möglich, ohne sich selbst um die Abrechnung zu kümmern. Eine integrierte Bezahlfunktion, die für eine automatische Abbuchung sorgt, erleichtert die E-Mobilität in der Praxis ungemein. Auch das hat mit Komfort zu tun, halt eben nicht mit Fahrkomfort. Um den braucht man sich ohnedies keine Sorgen zu machen. Der EQC fährt mit Strom, ist aber ein Sternenträger alter Schule. Eine wahrlich gute Nachricht.

Mercedes EQC

Motor/Antrieb 2 Asynchron-Maschinen, Allradantrieb, 407 PS, 760 Nm Drehmoment

Fahrleistungen/Verbrauch 0 auf 100 in 5,1 Sek; Spitze 180 km/h (abgeregelt), 19,7-20,8 kWh/100 km

Preis ab 75.500 Euro

Marktstart Oktober/November