Einfach ab durch die Mitte

Motor / 10.01.2020 • 11:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Raubein mit besseren Manieren: Mit dem robust-rusktikalen L 200 kann man am Outdoor-Abenteuer näher dran sein.VN/Paulitsch
Raubein mit besseren Manieren: Mit dem robust-rusktikalen L 200 kann man am Outdoor-Abenteuer näher dran sein.VN/Paulitsch

Mit geschärftem Profil und einer Allradtechnik ist der Mitsubishi Pickup so richtig fit für die harte Gangart.

Mitsubishi Es gibt so Gefährte, da weiß man binnen kürzester Zeit, auf was man sich mit ihnen eingelassen hat und was man an ihnen hat. Im vorliegenden Fall ist es die Neuauflage des Mitsubishi L 200. Der Nippon-Pickup in 5. Generation hat eine Frischzellenkur erfahren, die ihm seine ehrlich-erdige Art als Arbeitstier und Lastesel zurückgibt, gleichzeitig aber auch seinen Lifestyle-Charakter als Raubein mit besseren Manieren lässt.

Vorbei ist die Zeit, in welcher der handfeste Kleinlaster als abgerundeter Softie daherkam. Neuerdings geht der Pickup wieder mit geschärftem Profil auf die Piste. Kantig und angriffslustig kreuzt der L 200 jetzt auf, glänzt mit wuchtig-dynamischem Antlitz. Von vorne bis hinten vermittelt der 5,30 Meter lange und 2,1 Tonnen schwere Brocken, dass er fit für den harten Alltagseinsatz ist und auch keinen Ausritt in schroffes Gelände scheut. Die großspurige Rustikalausgabe eines Mini-Trucks sollte bei eilfertigen Handwerkern ebenso ankommen wie bei hemdsärmeligen Alpwirtschaftlern. Die Ladefläche der Double-Cab-Version – also der L 200 als vollwertiger Fünfsitzer – misst nur 1,37 Meter, auf der Pritsche geht sich aber eine Europalette zumindest der Länge nach aus. Mit knapp einer Tonne Nutzlast und 3,1 Tonnen Anhängerlast ist der Pickup als Zugpferd für gesteigerte Transportbedürfnisse allemal gerüstet. Was allerdings schon irritiert, ist, dass eine Anhängerkupplung nur als Extra zu haben ist.

Offroad-Qualitäten

Überzeugen kann der L 200 mit lupenreiner Allradtechnik, durch die man näher dran sein kann am Outdoor-Abenteuer. In der Tat gibt der hochbeinige Pickup den Klettermaxen frei nach dem Motto eines Chuck Norris: Der Weg ist das Ziel, also ab durch die Mitte! Der Allradler hat mit Reduktionsgetriebe und Differenzialsperren sowie Bergauf- und Bergab-Assistenten alles, was einen auch schwieriges Geläuf bewältigen lässt. Trittsicher geht es über Stock und Stein oder durch Schlamm und Schnee. Auf Steigungen schnauft der Diesel-Brummer etwas, zieht die Fuhre aber ambitioniert durch die Gegend. Zurück auf Asphalt gibt sich der Minitruck alle Mühe, den aufrichtigen Alltagsbegleiter zu geben.

Den Drang nach vorne unterstützt im L 200 jetzt ein moderner 2,2-l-Turbodiesel, der 150 PS auf die Straße bringt. Damit ist der Pickup kein Ausbund an Temperament, es reicht aber völlig aus für wackere Fahrleistungen über Land oder auf gelegentlichen Autobahnetappen. Dabei fühlen sich Mitfahrer im vergleichsweise geräumigen und überdies geradlinig eingerichteten Japaner gut aufgehoben. Infolge Leiterrahmen und Blattfedern an der Hinterachse wird man aber auf Flickwerkstraßen nicht gerade mit Federungskomfort verwöhnt. Empfindlichere Naturen sollten also eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen. Zum Charakter des ebenso steifbeinigen wie tugendhaften Pickups passt irgendwie die nüchterne Cockpitlandschaft.

Dafür weiß der L 200 mit allerlei Sicherheits- und Assistenzsystemen wie Totwinkelwarner sowie Notbrems- und Querverkehrsaufpasser zu punkten. Und so richtig froh macht den Piloten des 5,30 Meter-Trumms die 360 Grad Surround-View-Camera. Denn die Parkplatzwahl oder die Ein- und Ausfahrt aus Tiefgaragen älterer Bauart sind eine herausfordernde Aufgabe, wenn es darum geht der drohenden Dellengefahr entgegenzuwirken. VN-HGP

Der Pickup ist bisweilen arg steifbeinig unterwegs, aber kraxelt jede Steigung sehr ambitioniert hinauf.

Cockpit mit etwas sprödem Charme. Allerdings ist alles drin und dran, was es braucht.
Cockpit mit etwas sprödem Charme. Allerdings ist alles drin und dran, was es braucht.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 4-Zylinder-Turbodiesel, 150 PS, 400 Nm bei 2000 U/min, Allradantrieb, 6-Gang-Automatik

Fahrleistung/Verbrauch 0 -100 km/h: 13,5 Sek., Spitze: 174 km/h, Norm: 7,9 l (206 g CO2/km) Test: 9,2 l

Preis ab 26.990 Euro, Testwagen (Diamont-Version): 43.040 Euro.