Leben im Understatement-SUV

Motor / 24.01.2020 • 09:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ganz ohne Spur zum Großspurigen: Unaufgeregt steht der Softallradler da, weckt positive Emotionen alleine durch Weglassen alles Überflüssigen.Oliver Wolf
Ganz ohne Spur zum Großspurigen: Unaufgeregt steht der Softallradler da, weckt positive Emotionen alleine durch Weglassen alles Überflüssigen.Oliver Wolf

Bodenständig: Aufdringliches ist dem Mazda CX-30 fremd.

Mazda Für einen SUV ist diese Grundtendenz zur Zurückhaltung ziemlich ungewöhnlich. Ganz ohne Spur zum Großspurigen. Dafür ein wenig breitspurig. Das tut der Sache gut, wie wir noch hören werden. Und in der Länge sogar ein paar Zentimeter kompakter als der fesche neue Mazda 3, auf dessen Plattform der CX-30 ja zum SUV wurde.

Eine Transformation in aller Unauffälligkeit. Der Japaner betritt die Szene der Softallradler als Understatement-SUV. Gediegen inszeniert von A bis Z. Von außen bis innen solid gefertigt. Das einzig wirklich Spektakuläre ist das Frontdesign mit seiner sehr speziellen Lichtarchitektur. Ein Gesicht, das man nicht so schnell vergisst. Erinnert an gewisse italienische Klassiker. Maserati beispielsweise. Italo-Fans werden diesen Gedanken als Sakrileg empfinden. Und natürlich gab es zur Zeit, als die italienischen Designer in der Hochblüte waren, noch keine LED-Scheinwerfer, kein Karbon und schon gar nicht den ganzen Digitalismus. Die Italiener waren die Großmeister sportiv-klassischer Eleganz. (Man denkt an dieser Stelle mit Wehmut an die verblichene Marke Lancia.) Einen dieser Ära ähnlichen, aber natürlich japanischen Weg beschreitet das Ausnahmeunternehmen Mazda.

Weg mit Überflüssigem

Sie nennt ihn Kodo. Die Designsprache Kodo möchte die Energie von Bewegung schon im Stillstand erfassen. Positive Emotionen wecken durch Weglassen alles Überflüssigen. Was für eine gute Idee! Wer das nicht schätzt, findet alternative Erzeugnisse en masse. Deutsche etwa für jene, die die ganz digitale Wucht gern direkt vor der Nase haben. Oder französische, die ihr Comeback zum Komfort mit schillernder Farbenpracht verzieren.

Mazda zieht da nicht mit. Steht lässig und ein wenig breitspurig da, der CX-30, eröffnet angenehm viel Platz für ein Quartett und verwöhnt, noch angenehmer, mit einer noblen Gediegenheit des Interieurs. Zwei Liter, 122 PS, 213 Nm: klingt auch eher nervenberuhigend. Ist es auch. Denn mit der Selbstbeschränkung einher geht eine Zylinderabschaltung beim Fahren mit konstantem Tempo und ein schlaues Mild-Hybrid-System zum Speichern von Bremsenergie und dessen Wiederverwertung beim Starten und Beschleunigen. Es verhilft unserem CX-30-Benziner mit seiner doch aufwendigen Automatik und dem Allradsystem zu akzeptablen Verbrauchswerten. Sie liegen in seiner gegenwärtigen Jungfräulichkeit von knapp 5000 Kilometern plus herber Winterbetrieb noch um ein paar Zehntel höher als sie es in der Wärmeperiode tun werden.

Nobody’s perfect. Mitten in die erfolglose Suche nach einem nennenswerten Makel platzt die Meldung nach einem Rückruf. In die Steuersoftware des 3er und des CX-30 hat sich ein Fehler eingeschlichen. In höchst seltenen Fällen könne das Notbremssystem ein Hindernis erkennen, wo gar keines ist. Mazda-eigene Qualitätskontrollen hatten das Problem erkannt, bevor was passierte. Mittlerweile ist es behoben. Eine Sache von wenigen Stunden.

Kürzer als der Mazda3: Auch in den Abmessungen ist Zurückhaltung angesagt.
Kürzer als der Mazda3: Auch in den Abmessungen ist Zurückhaltung angesagt.
Fahrerorientiertes Cockpit des Mazda CX-30.
Fahrerorientiertes Cockpit des Mazda CX-30.
Ganz ohne Spur zum Großspurigen: Unaufgeregt steht der Softallradler da, weckt positive Emotionen alleine durch Weglassen alles Überflüssigen.Oliver Wolf
Ganz ohne Spur zum Großspurigen: Unaufgeregt steht der Softallradler da, weckt positive Emotionen alleine durch Weglassen alles Überflüssigen.Oliver Wolf

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 2-Liter-Saugbenziner, 122 PS, 213 Nm; 6-Gang-Automatik, Allradnatrieb

Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 11,1 Sek, Verbrauch 5,5 Liter (Test: 5,8 Liter)

Preis ab 25.990 Euro (Einstiegsmodell), Testauto: 36.490 Euro