Krisenmanagement bei Seat: Der spanische Weg

Motor / 13.05.2022 • 09:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Seat-Geschäftsführer Wolfgang Wurm hat gut lachen: Seine Marke ist vom E-Scooter bis zum 7-sitzigen SUV gut aufgestellt und navigiert verhältnismäßig stabil durch die Krisen.Houdek
Seat-Geschäftsführer Wolfgang Wurm hat gut lachen: Seine Marke ist vom E-Scooter bis zum 7-sitzigen SUV gut aufgestellt und navigiert verhältnismäßig stabil durch die Krisen.Houdek

Mit mediterraner Beharrlichkeit auf Erfolgsspur.

Wien In Krisenzeiten sind mediterrane Beharrlichkeit und Improvisationstalent eventuell gar keine so üblen Management-Tools. Auch im Vergleich innerhalb der Volkswagen-Gruppe navigiert die spanische Marke zwar nicht ungeschoren, aber bemerkenswert stabil durch die anhaltenden Krisen. Das Betriebsergebnis lag im Vorjahr 11,2 Prozent über dem des ersten Corona-Jahrs 2020, wenn auch mit dem Makel eines Minus von 317 Millionen. Was für Seat Österreich nicht gilt: „Porsche Salzburg hat mit Seat keinen Verlust gemacht“, kann Geschäftsführer Wolfgang Wurm stolz verkünden. Zusammen mit der sportlichen Schwester Cupra erreichte die Marke einen Marktanteil von 7,2 Prozent, nur ein halbes weniger als die beiden auf dem spanischen Heimmarkt halten. Österreich ist damit das mit Abstand erfolgreichste Exportland für die katalanische VW-Tochter. Neben dem lachenden steht wie so oft das weinende Auge: Es hätten deutlich mehr Autos ausgeliefert werden können, wenn die Liefersituation der Halbleiter und Chips es zugelassen hätte. Auch hier hat Seat aber inzwischen aufgeholt, für die beliebtesten Modelle Ibiza und Arona beträgt die Lieferzeit derzeit nur drei bis vier Monate. Bis zum Jahresende rechnet Wurm mit einer generellen Entspannung der Liefersituation.

An Aufgaben stellt sich für die nahe Zukunft vor allem die geringe Nachfrage an Elektrofahrzeugen bei Privatkäufern – ihr Anteil am E-Auto-Volumen ist seit Jahren rückläufig. Wolfgang Wurm sieht das in der derzeitigen Technologie begründet: „Ab 2025 erwarte ich einen Technologieschub durch das Hinarbeiten auf die (2027 kommende, Anm. d. Red) Euro-7 Norm. Ich nehme an, dass im Kleinwagen-Segment das E-Auto den Verbrennungmotor dann verdrängen wird – nicht weil wir das so wollen, sondern weil der Gesetzgeber es so festgelegt hat.“

Auf Verschiebungen im Kundengeschmack hat Seat schon öfters richtig reagiert: Anfang der 90er-Jahre bis 2004 war der Toledo noch eines der zentralen Modelle der Palette. Heute ist die Limousine ebenso obsolet wie die darauf folgenden Kompaktvans der Altea-Baureihe – dafür werden heute bereits insgesamt drei SUVs angeboten.

Die in der jüngeren Vergangenheit immer wieder aufkommenden Meldungen, Seat würde wegen der rascheren Elektrifizierung der Cupra-Palette aufgelöst oder sich nur noch auf bestimmte Märkte beschränken, entkräftet Wurm im Gespräch mit den VN ganz klar: „Seat wird es weiterhin geben, für das Volumen braucht der Konzern beide Marken.“ PAB