Burgtheater startet Veranstaltungsreihe im Kasino

APA Ticker / 14.01.2020 • 23:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mit der Premiere von Heiner Müllers „Hamletmaschine“ am 17. Jänner startet im Kasino die zweimonatige interdisziplinäre und internationale Veranstaltungsreihe „Europamaschine“ des Burgtheaters zur „(Un-)Freiheit in der europäischen Gegenwart und Zukunft“. Das von Oliver Frljic und Srecko Horvat kuratierte Programm wurde am Dienstagnachmittag bei einem Pressegespräch vorgestellt.

Die Reihe möchte „Impulse für Diskurs und Debatte zu den Ruinen und der Zukunft von Europa“ bieten. Wie man die neuen Entwicklungen in (Ost-)Europa künstlerisch verarbeiten und/oder kommentieren könnte, sei eine der Hauptfragen, die man sich dabei stelle, sagte Regisseur Frljic. „Die Hamletmaschine“ sei ein großartiger Text, aber auch ein großartiger Vorwand, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. „Alle dies wird sich auch in meiner Produktion widerspiegeln.“

Am 18. Jänner wird der kroatische Philosoph und Aktivist Srecko Horvat einen Multimediavortrag mit dem Titel „Throw your bodies into the machine“ halten – einen „spekulativer Fiction-Vortrag über unsere finstere Gegenwart“, der sich mit Fragen von Populismus und Ökofaschismus auseinandersetzen wird. Horvat übte sich heute in Thomas Bernhard’schem Sarkasmus: „Österreich ist heute vielleicht eines der interessantesten Länder in Europa – leider für die falschen Dinge.“ Wien sei zudem heute „eine der größten jugoslawischen Städte in der Welt“ – also wird es in den insgesamt 16 großteils im Kasino stattfindenden Programmpunkten auch um Südosteuropa gehen. Etwa am 22. Jänner, wenn die Autoren Marko Dinic und Ivana Sajko unter dem Titel „Gastarbeiterexpress zu Wahnsinn und Revolution“ diskutieren.

Eine fünfstündige Performance verspricht „Naked Polish Politics“ mit Jasmina Polak und Jan Sobolewski am 24. Jänner. Kulinarisch wird es am 25., wenn Lojze Wieser sein aus Südkärnten stammendes Eröffnungsmenü für die Reihe „Culinaire l’Evrope“ serviert – mit Kirtagssuppe, Festtagsbraten und Kompott. Zum Menü gehören auch Texte von Peter Handke, Maja Haderlap, Axel Karner und Christine Lavant.

Weitergeführt werden die Reihen „Europa im Diskurs“ im Burgtheater und „Apropos Gegenwart“ im Kasino, die jeweils zwei Ausgaben innerhalb der „Europamaschine“ erleben werden und u.a. am 25. Februar die im Exil lebende türkische Juristin, Journalistin und Autorin Ece Temelkuran nach Wien bringt. Sie spricht über ihr neues Buch „Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur“. Die von ihr beschriebene Entdemokratisierung finde „nicht nur in der Türkei, nicht nur in Polen, nicht nur in Ungarn, sondern auch mitten im Herzen Europas, auch in Österreich“ statt, so Horvat.

In Kooperation mit der Kunsthalle Wien gestaltet die Performance- und Medienkünstlerin Milica Tomic am 2. Februar eine Medienperformance unter dem Titel „On Love Afterwards“. „Schule des Widerspruchs“ präsentiert am 8. Februar die Ergebnisse eines gemeinsam mit der Brunnenpassage durchgeführten Jugendworkshops mit Frljic, Horvat und Anna Manzano, in dem künstlerische Ausdrucksformen im öffentlichen Raum erprobt werden. Weiters auf dem Programm stehen u.a. eine zweitägige Internationale Konferenz („The White West“ am 13. und 14. Februar), weitere Gespräche, eine Tanzperformance, Filmscreenings im Österreichischen Filmmuseum sowie eine für März geplante historische Stadtführung des Philosophen und Kulturkritikers Boris Buden zu Widerstand, Nationalismus und Psychoanalyse.

(S E R V I C E – )