Corona-Urlaubstrend: Am liebsten unter sich

Ticker / 14.09.2021 • 13:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Corona-Urlaubstrend: Am liebsten unter sich

Die Corona-Pandemie hat den Trend zum Urlaub im Kokon beflügelt: Viele Touristen haben nach Analyse des deutschen Autoclubs ADAC in den Sommerferien versucht, den Kontakt zu ihren Mitmenschen zu reduzieren – und zwar sowohl bei Anreise als auch bei der Wahl der Unterkunft. „Man will jetzt auch auf der Reise unter sich sein, vielleicht sogar allein sein“, sagte ADAC-Tourismusvorstand Karlheinz Jungbeck am Dienstag in München.

„Und zwar in allen Preissegmenten, das ist das Erstaunliche: Von Zelturlaub und Hausboot bis zu Jachtcharter und Flügen im Privatjet.“

Dies führt nach Jungbecks Worten mittlerweile vor allem beim Camping zu Kapazitätsproblemen, weil die Nachfrage größer sei als das Angebot. Ein weiteres Indiz für das sogenannte „Cocooning“: Viele Urlauber bevorzugten das eigene Auto, so dass es nach ADAC-Daten sogar mehr Staus gab als vor Beginn der Pandemie.

Nach Schätzung des deutschen Autoclubs summierten sich die Staus auf Deutschlands Autobahnen im Juli und August auf eine rekordverdächtige Gesamtlänge von 244.000 Kilometern, annähernd 80.000 Staukilometer mehr als im vergleichsweise ruhigen ersten Corona-Jahr 2020. Auch 2019 hatte der ADAC „nur“ 221.000 Kilometer Stau gemessen. „Der Pkw hat eine echte Renaissance erlebt“, sagte Jungbeck.

Spürbar ist der Trend zum Urlaub auf Distanz auch bei einem vergleichsweise exklusiven Vergnügen: Ferien auf dem Hausboot. „Das ist ja wie Camping auf dem Wasser“, sagte Jungbeck dazu. In dieser Hinsicht beobachtet der ADAC ebenfalls Platzmangel: Die Infrastruktur mit Häfen und Schleusen sei bereits teilweise überlastet, sagte der ADAC-Tourismuschef. Ob Camping an Land oder auf dem Wasser: Kapazitätsprobleme könnten den Trend nach Einschätzung Jungbecks in Zukunft bremsen.

In einer Hinsicht unterschied sich der zu Ende gegangene Urlaubssommer 2021 beträchtlich vom Vorjahr: Der Boom des Inlandstourismus wiederholte sich den Angaben nach nicht. In den bayerischen Voralpen hatte dieser 2020 sogar zu Protesten gegen die Blechlawinen geführt.