Rupert Fertinger GmbH mit 200 Mitarbeitern in NÖ insolvent

15.05.2019 • 16:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Rupert Fertinger GmbH mit Sitz in Wolkersdorf in Niederösterreich ist insolvent. Über das Vermögen des Autozulieferers wurde am Landesgericht Korneuburg ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Betroffen sind etwa 260 Gläubiger und 169 Dienstnehmer. Die Passiva betragen laut Kreditschützern 20,7 Mio. Euro. Mehrheitseigentümer ist der Industrielle Veit Schmid-Schmidsfelden.

Die Aktiva liegen laut Creditreform bei 1,69 Mio. Euro, von den Passiva sind 5,86 Mio. Euro Eventualverbindlichkeiten. Die Insolvenz werde unter anderem auf die Inbetriebnahme des Produktionsstandortes in Polen zurückgeführt, teilten AKV, Creditreform und KSV mit. „Der Break-Even-Point des neuen Werkes wurde verspätet erreicht. Daraufhin wurden zwar umfangreiche Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und ein positives Betriebsergebnis im ersten Quartal 2019 erzielt, allerdings waren diese Maßnahmen mit einem erheblichen Liquiditätsaufwand verbunden, sodass die Kapitaldecke vollständig aufgezehrt wurde“, teilte der KSV mit. Das Liquiditätsproblem sei mangels weiterer Mittelzuschüsse nicht nachhaltig gelöst worden, weshalb die Zahlungsunfähigkeit eingetreten sei, hieß es von Creditreform. 2017 schrieb die Firma laut „Wirtschaftscompass“ einen Verlust (EGT) von 1,93 Mio. Euro.

Das Sanierungsverfahren wurde am Mittwoch aufgrund eines Eigenantrages eröffnet. Das Unternehmen mit Sitz im Bezirk Mistelbach soll fortgeführt werden. Die Firma habe bereits umfassende betriebliche Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und die Kosten deutlich gesenkt, teilte der AKV mit. Von den betroffenen Mitarbeitern sind 121 Arbeiter und 48 Angestellte. Im eingebrachten Sanierungsplan wird Gläubigern eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, angeboten.

Die Rupert Fertinger GmbH gehört zu 97 Prozent der Metallwarenerzeugung Rupert Fertinger GmbH, die zur Gänze im Eigentum des Industriellen Veit Schmid-Schmidsfelden steht. Schmid-Schmidsfelden ist stellvertretender Industrie-Bundesspartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich und war bei den vergangenen Metallerlohnrunden Chefverhandler der Arbeitgeber.

Die Wiener Rechtsanwältin Katharina Widhalm-Budak wurde zur Masseverwalterin bestellt. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung findet am 23. August statt, die Prüfungs- und Sanierungsplantagsatzung am 4. Oktober.

Das Unternehmen war 1944 von Rupert Fertinger in Wien gegründet worden. Schwerpunkt waren damals laut Webseite Warmwasseraufbereitungsgeräte (Durchlauferhitzer) und Installationsmaterialien. 1960 wurde ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude in Wolkersdorf geplant und gebaut. Der Kauf durch Schmid-Schmidsfelden erfolgte 2002. 2012 wurde die Produktion in der neuen Fabrik im ecoplus Wirtschaftspark in Wolkersdorf aufgenommen. Gefertigt werden Produkte aus Metall für Sanitärtechnik und automotive Anwendungen.

Die Rupert Fertinger GmbH hat am Mittwoch mitgeteilt, dass der Sanierungsplan die Fortführung des Unternehmens mit dem gesamten Personal vorsieht. „Alle 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den beiden Standorten Wolkersdorf und Neusiedl/Zaya werden weiter beschäftigt“, wurde Geschäftsführer Gerhard Lampesberger am Abend in einer Aussendung zitiert.

„Ursache für den Sanierungsantrag waren hohe Restrukturierungskosten im Zuge der Schließung von zwei Satellitenstandorten in Österreich sowie hohe Entwicklungsaufwendungen“, hieß es. „Die Restrukturierungsmaßnahmen der letzten Jahre haben gegriffen, das Unternehmen ist betriebswirtschaftlich saniert, aber aufgrund der hohen Investitionen in die Standorte Wolkersdorf (NÖ) und Niepołomice (Polen), hoher Entwicklungskosten und der über dem Budget liegenden hohen Anlaufkosten des Standorts in Polen überschuldet“, erklärte Lampesberger.

Ziel sei es, das Unternehmen durch das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung zu entschulden und weiterzuführen. Im ersten Quartal 2019 habe man bereits wieder positiv bilanziert. Die Rupert Fertinger GmbH verfügt über Standorte in Wolkersdorf (Bezirk Mistelbach) und Neusiedl/Zaya (Bezirk Gänserndorf) in Niederösterreich. Der Standort in Polen ist eine eigenständige Gesellschaft mit 80 Mitarbeitern, die Fertinger Automotive Polska ist von der Insolvenz nicht betroffen.