Guaidó verurteilte Präsenz russischer Soldaten in Venezuela

26.03.2019 • 20:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Venezuelas selbsternannter Übergangspräsident Juan Guaidó hat sich mit scharfen Worten gegen die Präsenz russischer Soldaten in dem Krisenstaat gewandt. Sein Gegenspieler, der linksnationalistische Staatschef Nicolás Maduro, habe offenbar kein Vertrauen mehr in das eigene Militär, sagte Guaidó am Dienstag in einer Rede vor dem von der Opposition kontrollierten Parlament in Caracas.

Stattdessen hole die Maduro-Regierung Soldaten aus dem Ausland und verstoße damit gegen die Verfassung. Zwei russische Flugzeuge mit 99 Soldaten und 35 Tonnen Material waren nach Angaben der Moskauer Nachrichtenagentur Sputnik am Sonntag in Caracas gelandet. Russland ist die wichtigste Stütze Maduros im venezolanischen Machtkampf. Moskau hat seine militärische Zusammenarbeit mit dem erdölreichen südamerikanischen Land schon vor Jahren ausgebaut.

Die USA hatten am Montag scharf auf die Landung russischer Soldaten reagiert. US-Außenminister Mike Pompeo warnte seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow, Washington werde nicht „mit verschränkten Armen“ zusehen, wie Moskau die „Spannungen in Venezuela verschärft“.

Lawrow warf den Vereinigten Staaten vor, einen „Staatsstreich“ in Venezuela zu organisieren. Am Dienstag erklärte eine Sprecherin des russischen Außenministerium, die Soldaten seien „in Übereinstimmung mit der Verfassung“ Venezuelas entsandt worden. Es handle sich um eine Maßnahme zur Verbesserung der „Zusammenarbeit“ zwischen Caracas und Moskau.

Die USA und rund 50 weitere Staaten haben sich dagegen hinter Oppositionsführer Juan Guaidó gestellt, der sich im Januar selbst zum Übergangspräsidenten erklärt hatte. Washington hat ein militärisches Vorgehen gegen Maduro nicht ausgeschlossen.

Nach einer neuerlichen Panne bei der Stromversorgung erklärten die Behörden in Venezuela den Dienstag unterdessen zum arbeits- und schulfreien. Mit der Maßnahme sollte das Stromnetz entlastet werden. Die Regierung Maduros sprach wie schon beim tagelangen Stromausfall Anfang März von einem „Angriff“ auf die Infrastruktur des Landes.

Am Montag waren abermals weite Teile des Landes über Stunden in Dunkelheit gehüllt. In der Sechs-Millionen-Einwohnerstadt Caracas waren die Straßen leer, wie AFP-Reporter berichteten. Sehr wenige Busse fuhren, die U-Bahn-Stationen waren geschlossen, Geschäfte hatten ihre Rolltore heruntergelassen. Die Passagiere am Flughafen wurden ohne Computerunterstützung abgefertigt.

Die Stromversorgung war am frühen Montagnachmittag (Ortszeit) ausgefallen. Im Großstadtgebiet von Caracas setzte sie vielerorts nach Einbruch der Dunkelheit wieder ein, um Stunden später wieder einzubrechen.

In anderen Regionen des Landes fiel der Strom ebenfalls aus, wie Einwohner in Städten wie Barquisimeto, Barcelona, Ciudad Bolívar und Barinas im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilten. In Maracaibo war die Stromversorgung demnach unbeständig. Das Licht gehe „an und wieder aus“, schrieben Twitter-Nutzer.

Aus Berichten von Einwohnern in den sozialen Medien ergab sich, dass 21 der 23 Bundesstaaten von Stromausfällen betroffen waren. Bei NetBlocks, einer Organisation, die das Internet überwacht, hieß es, der Stromausfall habe in 18 Bundesstaaten „schwerwiegende Auswirkungen“ auf das Telekommunikationsnetz gehabt.

Kommunikationsminister Jorge Rodríguez sagte im staatlichen Fernsehen, der „Angriff“ habe erneut dem wichtigen Wasserkraftwerk Guri gegolten. Der Guri-Stausee im Süden des Landes versorgt etwa vier Fünftel der 30 Millionen Venezolaner mit Strom.

Der Minister fügte hinzu, während es beim letzten Mal Tage gedauert habe, die Stromversorgung wiederherzustellen, sei es diesmal in „Rekordzeit“, nämlich in wenigen Stunden, bewerkstelligt worden. Am Dienstag erklärte Rodríguez: „Wir werden diesen Stromkrieg gewinnen mit der immensen Kraft, die wir als Volk in unserem Kampf gegen die rüden Empire und ihre örtlichen Lakaien akkumuliert haben“.

Vor zweieinhalb Wochen hatte der folgenschwerste Stromausfall in der Geschichte Venezuelas das südamerikanische Land fast eine Woche lang lahmgelegt. Maduro gab dafür Cyberattacken der USA sowie der rechten Opposition um den Parlamentsvorsitzenden Juan Guaidó die Schuld. Maduros Gegner machen dagegen mangelnde Investitionen in den Unterhalt der Infrastruktur, Missmanagement sowie Korruption verantwortlich.