Festnahmen nach Gewalt gegen Opposition im Sudan

11.06.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Protestierende in der Hauptstadt Khartum. REUTERS

Eine Woche nach der gewaltsamen Niederschlagung eines Protestlagers im Sudan hat der herrschende Militärrat die Festnahme mehrerer Sicherheitskräfte verkündet. Dies sei das Ergebnis einer Untersuchung zu der Gewalt in der Hauptstadt Khartum in der vergangenen Woche, hieß es am Montag in einer Erklärung des Militärrats, die von staatlichen Medienvertretern verbreitet wurde.

Die Festgenommenen würden so schnell wie möglich zur Rechenschaft gezogen. Wie viele Sicherheitskräfte festgenommen wurden, teilte der Militärrat nicht mit. Auch zu ihrem Rang und den Vorwürfen gegen sie wurde nichts bekannt.

Die seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir herrschende Armee war in der vergangenen Woche gegen die Protestbewegung vorgegangen und hatte in Khartum Straßenblockaden gewaltsam räumen lassen. Nach Angaben des Zentralkomitees sudanesischer Ärzte wurden mindestens 108 Menschen getötet. Das Gesundheitsministerium sprach lediglich von 61 Toten landesweit.

Das US-Außenministerium kündigte am Montag an, einen ranghohen Diplomaten in den Krisenstaat zu schicken, um die Konfliktparteien zum Dialog zu drängen. Der für Afrika zuständige US-Außenstaatssekretär Tibor Nagy werde bei einem Besuch zu einem „Ende der Angriffe auf Zivilisten“ und zur Wiederaufnahme politischer Gespräche aufrufen.

Trotz des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte wollen viele Menschen im Sudan weiter für einen politischen Neuanfang protestieren. Sie fordern die regierenden Generäle auf, die Macht an eine zivile Übergangsregierung abzugeben.

„Wir wollen rausgehen und wieder protestieren“, sagte Amar Mohammed al-Hassan, ein 18-jähriger Demonstrant, der Deutschen Presse-Agentur. Ein 23-Jähriger erklärte, die Revolution sei nicht gescheitert. „Es hat gerade erst angefangen“, sagte Ali Idris.

Beide Männer waren bei der gewaltsamen Auflösung der großen Sitzblockade im Zentrum Khartums Anfang des Monats verletzt worden. Die Sitzblockade hatte maßgeblich zum Sturz des Langzeitmachthabers Omar al-Bashir im April beigetragen.

Am Dienstag blieben viele Geschäfte in Khartum infolge eines Streikaufrufs der Opposition geschlossen. Das Gewerkschaftsbündnis SPA will mit dem Streik Druck auf die Generäle ausüben. Die Regierung hielt an der weitgehenden Abschaltung des Internets fest.

Bashir, der das Land drei Jahrzehnte lang mit harter Hand regiert hatte, war im April von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren wegen einer Wirtschaftskrise monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seit dem Putsch bemühen sich Militär und Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Der Sudan im Nordosten Afrikas gehört zu den 25 ärmsten Staaten der Welt.