Im kommenden Schuljahr wesentlich weniger Deutschklassen

04.07.2019 • 12:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im kommenden Schuljahr wird es wesentlich weniger Deutschklassen geben als im abgelaufenen. Im Bildungsministerium geht man laut dem vorläufigen Stellenplan davon aus, dass nach heuer rund 9.800 Kindern im Schuljahr 2019/20 nur rund 6.300 Schüler eine Deutschförderklasse besuchen werden. Das entspricht einem Rückgang von rund einem Drittel.

Besuchen müssen die Deutschförderklassen jene Kinder, die als außerordentliche Schüler eingestuft wurden. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet – für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt. Einschränkung: Deutschförderklassen werden erst ab acht Schülern pro Standort eingerichtet. Besuchen müssen sie außerdem nur jene Kinder, die in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden, oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem. Am Ende jedes Semesters wird dann der Sprachfortschritt überprüft.

Dann sind drei Fälle möglich: Bei nicht entsprechendem Fortschritt muss die Deutschklasse weiter besucht werden. Sind die Verbesserungen so deutlich, dass der Schüler dem Unterricht folgen kann, wird er zum ordentlichen Schüler, wechselt in eine Regelklasse und erhält eine Förderung im Rahmen von Deutsch als Zweitsprache. Liegen die Testergebnisse dazwischen, kann der Schüler also trotz Fortschritten noch nicht ganz dem Unterricht folgen, wechselt er als außerordentlicher Schüler in die Regelklasse und erhält noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs.

Die Stellenpläne sagen noch nichts darüber hinaus, wie viele Schüler den Sprung aus einer Deutschklasse im abgelaufenen Schuljahr in eine Regelklasse im nächsten Jahr geschafft haben, hieß es aus dem Ministerium zur APA. „Befüllt“ werden die Deutschklassen nämlich nicht nur mit jenen, die den Wechsel nicht geschafft haben, sondern vor allem mit neuen Schülern, etwa Taferlklasslern.

Allerdings gibt es bereits erste Zahlen aus einzelnen Bundesländern zu den Übertrittsquoten der Schüler aus Deutschklassen in Regelklassen ab dem kommenden Schuljahr. In der Steiermark sind dies im Schnitt an den Volksschulen zwischen 75 und 80 Prozent, so Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner zur APA. Dabei gebe es jedoch deutliche Unterschiede je nach Schule zwischen 55 und 95 Prozent. Fast alle der Aufsteiger schaffen es nur als außerordentliche Schüler in die Regelklasse, Wechsel in den ordentlichen Status seien „absolute Einzelfälle“.

Die Erfolgsraten seien von mehreren Faktoren abhängig, meinte Meixner. Besonders positive Rückmeldungen habe es aus Schulen mit kleinen Klassen gegeben, außerdem seien die Übertrittsraten in Deutschklassen mit nur wenigen verschiedenen Muttersprachen besser gewesen. Weitere Faktoren seien das soziale Umfeld und familiäre Einflüsse. An den Neuen Mittelschulen (NMS) lagen die Übertrittsraten zwischen 60 und 80 Prozent, auch hier wird meist als außerordentlicher Schüler gewechselt. Sowohl an Volksschulen als auch an NMS stiegen fast alle „Wechsler“ auch in die nächsthöhere Schulstufe auf. In den Deutschklassen blieben an beiden Schularten vor allem „Quereinsteiger“ – also Schüler, die erst während des Schuljahrs nach Österreich kamen – sowie Kinder mit zusätzlichen Beeinträchtigungen.

In Salzburg wechseln ebenfalls rund 75 Prozent der Schüler im kommenden Schuljahr aus einer Deutsch- in eine Regelklasse. Unterschied zur Steiermark: Hier schafften nicht nur einzelne Schüler, sondern immerhin 18 Prozent den Sprung zum Status als ordentlicher Schüler.

In Oberösterreich sind die Übertrittsquoten dagegen geringer: Hier schafften es rund 43 Prozent aus den Deutsch- in die Regelklassen. Zahlen aus anderen Ländern liegen laut Bildungsministerium vorerst noch nicht vor.