Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Irgendwie

20.07.2021 • 13:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Irgendwie hat man’s immer gewusst, dass sich das eines Tages nicht mehr ausgehen wird mit der lustvollen Bodenversiegelung für Parkplätze und neue Straßen, mit dem ganzen Konsumwahn und der kollektiven Energieverschwendung, als gäbe es von allem immer im Überfluss. Klimaforscher redeten sich den Mund fusselig. Jugendliche warfen uns ihre Zukunftsängste ins Gesicht. Irgendwie war der Klimawandel aus den Talkshows nicht mehr wegzudenken.

Und doch fühlt es sich jetzt ganz anders an, unmittelbarer: So rasend schnell verschlang die Flut ganze Straßenzüge, dass an Weglaufen nicht mehr zu denken war. Starkregen statt Landregen, Naturkatastrophe statt Unwetter. Menschen ertranken in ihren Kellern. Wollten noch irgendwas retten und verloren alles. Das alles geschah nicht auf einem anderen Kontinent, sondern direkt vor der Haustür.

Aber irgendwie hat’s die Sonne dann doch geschafft. Der Sommer kehrt zurück. Mit den Pegelständen sinkt die Aufmerksamkeit. „Irgendwie kann man ja nicht ständig in der Krise leben“, räumt eine gut gebräunte Radlerin ein, die in einer munteren Seniorengruppe den Bodensee umrundet. Irgendwie ist ein mächtiges Wort. Es legt sich wie Watte auf die Zweifel und besänftigt seidenweich alles Erschrecken. Weil es irgendwie immer gut geht. Oder? Falls einmal nicht mehr, könnte es freilich irgendwie schwierig werden.

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