Russische Armee setzt Angriffe auf ukrainische Städte fort

12.03.2022 • 13:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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kiew Russlands Streitkräfte haben ihre Angriffe nordwestlich von Kiew und auf andere ukrainische Städte Medienberichten und Behörden zufolge am Samstag fortgesetzt. In der umkämpften Hafenstadt Mariupol wurde nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums eine Moschee beschossen, in der mehr als 80 Kinder und Erwachsene – unter anderem aus der Türkei – Zuflucht gesucht hatten. Angaben zu Opfern lagen nicht vor. Indes kündigte die ukrainische Regierung mehrere Fluchtkorridore an.

In der Nähe von Kiew sei in der Früh ein ukrainischer Luftwaffenstützpunkt durch russischen Raketenbeschuss zerstört worden, meldete der ukrainische Ableger der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Auch ein Munitionslager in Wassylkiw sei getroffen worden.

Laut dem britischen Verteidigungsministerium befindet sich der Großteil der russischen Bodentruppen etwa 25 Kilometer vom Zentrum der ukrainischen Hauptstadt entfernt. Auf Satellitenbildern war zu sehen, wie die Truppen bei ihrem Vormarsch auf Kiew Artillerie abfeuerten.

In der Früh heulten in den meisten ukrainischen Städten Luftschutzsirenen auf, wie lokale Medien berichteten. Menschen wurden aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. Die umzingelten Städte Charkiw, Tschernihiw, Sumy und Mariupol stünden weiterhin unter schwerem Beschuss, erklärte das britische Verteidigungsministerium. Die Ukraine stellt sich auf eine neue Welle von Angriffen auf Kiew, Charkiw und Donbass-Gebiete ein, wie ein Berater des ukrainischen Präsidialstabschefs mitteilte. Die Ukraine gehe aber nicht davon aus, dass sich Belarus den russischen Invasionsstreitkräften anschließen werde.

Die ukrainische stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk kündigte in einer Videobotschaft mehrere Fluchtkorridore an. Hunderttausende Menschen säßen in belagerten Städten fest. “Ich hoffe, dass der Tag gut verlaufen wird, dass alle geplanten Routen geöffnet werden und dass Russland seine Verpflichtungen zur Einhaltung der Waffenruhe erfüllt”, sagte sie. Am Freitag sei ein weiterer Evakuierungsversuch von Mariupol wegen fortgesetzter Angriffe gescheitert.

Die ukrainische Regierung will am Samstag erneut versuchen, Lebensmittel und Medikamente nach Mariupol zu liefern. In der südlichen Hafenstadt wurden nach Angaben des Stadtrats mindestens 1582 Zivilistinnen und Zivilisten durch russischen Beschuss und eine zwölftägige Blockade getötet. Hunderttausende seien ohne Nahrung, Wasser, Heizung oder Strom eingeschlossen.

Das russische Verteidigungsministerium teilte indes mit, dass bisher rund 3.500 Objekte der militärischen Infrastruktur der Ukraine zerstört wurden, darunter auch mehr als 1.000 Panzer und andere gepanzerte Militärfahrzeuge. Russland hatte den Angriff auf die Ukraine unter anderem damit begründet, das Land entmilitarisieren zu wollen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Die Präsidenten Russlands und der Ukraine hatten zuletzt Aussichten auf ein Ende des seit mehr als zwei Wochen anhaltenden Krieges angedeutet, der in Russland als “Spezialoperation” bezeichnet wird. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag erstmals von “positiven Veränderungen” in den Verhandlungen mit der Ukraine gesprochen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte einen “strategischen Wendepunkt” im Krieg zugunsten seines Landes ausgemacht, ohne in Details zu gehen.