Ein Urgestein der Feuerwehr

OP / 21.11.2022 • 15:53 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Seit über einem halben Jahrhundert ist Franz Telfser Teil der Gisinger Wehr. TAY
Seit über einem halben Jahrhundert ist Franz Telfser Teil der Gisinger Wehr. TAY

Franz Telfser ist seit 57 Jahren Mitglied bei der Feuerwehr.

Feuerwehr Den alten „Lodertschopa“ umgeschmissen und in die private Hose geschlüpft, Steigergurt und Helm geschnappt und schon konnte es losgehen. Übungsannahme war wie jede Woche ein Brand bei der Gisinger Pfarrkirche, denn dort steht ein Hydrant parat und schon hieß es „Zum Angriff!“ So lautete eine Übung im Jahre 1966 bei der Gisinger Feuerwehr. Franz Telfser erinnert sich gerne an diese Zeit zurück, denn damals kam er frisch zur Wehr dazu. „An meinem damaligen Arbeitsplatz waren einige bei der Feuerwehr, deswegen hab ich auch mal reingeschnuppert“, so Telfser. „Ich habe mir Kameradschaft erwartet und habe sie dort auch gefunden.“ Neben den Übungen wurde zusammen ge-arbeitet und miteinander gefeiert. „Die Mittel waren damals begrenzt. Umso stolzer ist man, wenn wir jetzt zurückblicken und sehen, was wir erreicht haben und wie wir uns alle auch menschlich weiterentwickelt haben“, führt der langjährige Floriani aus.

Einschneidende Erlebnisse

Die Feuerwehr Gisingen wurde 1909 im Gasthaus Sternen in der Ringstraße gegründet. Das erste Gerätehaus erhielt die Wehr im Jahr 1920. Die erste Motorspritze zog 1948 ins Gerätehaus ein. Telfser trat im Jahr 1966 ein und hat dann auch die Einweihung des neuen Gerätehauses mit der dazugehörigen Garage und den Erhalt des Tanklöschfahrzeuges der Feuerwehr der Stadt Feldkirch miterlebt. Spannend war es für den gebürtigen
Gisinger auch Anfang der 1970er Jahre: „Wir traten erstmals mit einer Wettkampfgruppe außerhalb von Vorarlberg bei einem Leistungs-bewerb an, haben drei Atemschutzgeräte und zwölf Reserveflaschen angeschafft und zusätzlich die ,Verbrüderung‘ mit der Stadtfeuerwehr Güssing, die bis heute noch gefördert wird, beschlossen.“

Über die Jahre kamen weitere einprägsame Momente hinzu. „Es waren wahnsinnige Großbrände, die uns heimgesucht haben“, erzählt der 74-Jährige. Unter ihnen der landwirtschaftliche Großbrand im Litschi-Gebiet, ein wie Telfser berichtet sehr anstrengender Atemschutzeinsatz. „Wir hatten alles versucht, dass sich das Feuer nicht zum Haus ausbreitet.“ Dafür hat die Wehr damals den ganzen Heustock abgetragen. „Eine heikle Sache“, erinnert er sich zurück. Der Stock wurde danach mit einem Transporter zu den Baggerlöchern gefahren. Durch den Fahrtwind habe es jedoch wieder angefangen zu brennen.

Ein Einsatztag, den Telfser nie vergessen wird, war auch als die Wehr zu einem Brand bei einem Gasthaus gerufen wurde. Kaum war dort das Feuer halbwegs unter Kontrolle, stand dann auch plötzlich die alte Tonhalle (heute Montforthaus) aufgrund eines Blitzeinschlags in Flammen.

Gründung der Jungfeuerwehr

Nach der Einführung der „Stillen-Alarmierung“ via Pager kamen immer weitere technologische Fortschritte auf die Feuerwehrtruppe zu. 1987 wurden überörtliche Aufgaben übernommen. Zwei Jahre nach der Gründung der Jungfeuerwehr im Jahr 1990 wurde das neue Gerätehaus in festlicher Form eingeweiht, in dessen Bau insgesamt 4125 Stunden Eigenleistung der Wehrkräfte flossen. Die Erfolgsgeschichte „Jungfeuerwehr“ hält bis heute an. Telfser führt das Geheimrezept unter anderem darauf zurück, dass mit der Jugend viel unternommen wird, realitäts-
nahe Übungen durchgeführt werden und die Jugendleiter einen starken Einfluss haben. „Die Jugendleiter waren meist selbst bei der Jungfeuerwehr und gehen mit dem Nachwuchs auch immer wieder auf Wettkämpfe.“

Zwölf Jahre an der Spitze

2001 wurde Telfser schließlich zum Kommandanten der Gisinger Wehr ernannt. In seine Amtsperiode bis zum Jahr 2013 fallen weitere Meilensteine der Floriani wie etwa die Anschaffung eines modernen Tanklöschfahrzeugs mit 3000-Liter-Wasser- und 200-Liter-Schaum-Volumen sowie das 100-Jahr-Jubiläum. Auch die Anschaffung einer neuen Rettungsausrüstung wie eine Schleifkorbtrage, Auffanggurte und Leinen, die Renovierung des Mannschaftsraumes und das neue Zeitalter im Bereich Atemschutz mit komplett neuer Montur wurden unter der Leitung von Telfser umgesetzt, ehe er 2013 sein Amt niedergelegte. Trotzdem blieb der 74-Jährige der Gisinger Wehr treu und so freue er sich immer noch, die alten Kameraden zu treffen und zu sehen, wie es kontinuierlich vorwärts geht. Als Ehrenkommandant trifft er sich wöchentlich mit seinen Kollegen, dabei stehe man den jüngeren Mitgliedern weiterhin beratend zur Seite. „Aus derzeitiger Sicht kann ich sagen, dass die Feuerwehr Gisingen mit ihrem Mannschaftsstand von rund 100 Mitgliedern (Aktive, Ehrenmitglieder und Feuerwehr-jugend), sei es in Bezug auf Ausrüstung, Ausbildung oder in Sachen Einsatzangelegenheiten, auf dem neuesten Stand ist und im Vergleich mit anderen Wehren als Vorbild fungiert“, erzählt Telfser stolz. Die Bevölkerung von Gisingen kann sich auf ihre Wehr verlassen, die ganzjährig sowie rund um die Uhr in der Lage ist, in Not geratenen Mitbürgern entsprechend professionelle und zeitnahe Hilfe zu leisten. TAY

Zur Person

Franz Telfser

Ehrenkommandant der Feuerwehr Gisingen

Geboren 21. August 1948

Familie verheiratet, zwei Töchter

Hobbys Familie, Garten und Ausflüge in Vorarlberg

Werdegang bei der Feuerwehr 1966 Eintritt, 1989 Kommandant-Stellvertreter, 2001 Kommandant, 2013 Ehrenmitglied, 2014 Ehren-kommandant

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