Straches skurriler Rettungsversuch

Politik / 24.10.2012 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Dank Frank Stronach haben die Bundesblauen derzeit ein veritables Problem: Sie haben die Themenführerschaft verloren, stürzen in Umfragen ab, ganz zum Gaudium der politischen Mitbewerber. In diesem Licht muss der gestrige Auftritt von Bundeschef HC Strache bewertet werden. Strache gab den Staatsmann, umgeben von rot-weiß-roten Fahnen – und sprach pathetisch von seiner „Entscheidung für Österreich“. Nun passen Staatsmann und Strache so gut wie gar nicht zusammen, auch wenn sich der oberste Blaue noch so mühte – und gar davon sprach, dass er „aus Liebe handle“, aus Liebe zur Heimat und den Menschen. Strache fand – Überraschung – allerdings auch ein paar wahre Worte. Er sagte: „Noch nie zuvor in der Geschichte der Zweiten Republik gab es in der Bevölkerung einen derart intensiven Wunsch nach Wandel und Veränderung wie heute.“ Da hat er recht.

Denn in der Tat war der Wunsch nach einer Veränderung in der Politik noch nie so groß wie heute. Immer mehr Menschen wünschen sich Alternativen zu den etablierten Parteien, wollen Politiker, die weniger reden und mehr handeln. Sauber handeln. Denn mit dem Verfall der politischen Sitten steigt die Zahl der Politikverdrossenen. Mit jedem neu aufgedeckten Skandal, mit jedem Eklat werden der Unmut und der Wunsch nach neuen Angeboten größer. Doch die Blauen können diese Sehnsucht nicht mehr erfüllen.

Und da schließt sich der Kreis zu Frank Stronach. Obwohl auch seine Vorgehensweise äußerst fragwürdig ist: Der Multimilliardär kauft sich in die Demokratie ein, indem er die anerkannt Rückgratlosesten im ganzen Natio­nalrat abwirbt. Und kann mit diesem Team laut Umfragen auch noch punkten, eben zum Ärger der Blauen. Auf Bundesebene liegt Stronachs Team bei zehn Prozent. Und selbst in Vorarlberg käme ein Trupp von Stronach-Lakaien derzeit mit sechs Prozent der Stimmen in den Landtag. Ohne dass Stronach eine Kandidatur auch nur angekündigt oder ein Team schon Gestalt angenommen hätte. Stronach bietet dem bürgerlichen Lager eine Alternative, kann in Wirtschaftskreisen dank seiner Historie punkten, holt sich Stimmen aus dem schwarzen, maßgeblich aber auch aus dem blauen Protestwählerlager. Dabei ist allein schon die Vorstellung, einen 80-jährigen Multimilliardär aus Protest zu wählen, ebenso skurril wie Straches Versuch, den Staatsmann zu geben.

andreas.duenser@vn.vol.at, 05572/501-327