HC Straches Erfüllungsgehilfe

Politik / 26.10.2012 • 20:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wie gerne sind wir ein Musterland. Wie stolz sind wir, wenn Vorarlberg besser ist in irgendwelchen Ranglisten als vergleichbare Regionen. Wir freuen uns über die besten Lehrlinge, nennen uns selber Exportweltmeister, trennen den Müll sorgfältiger als andere und wollen jetzt auch noch als erste Region Europas energieautonom werden.

Worüber wir nicht gerne reden, ist die Tatsache, dass wir uns davor drücken, so viele Asylwerber in unserer Heimat aufzunehmen, wie wir eigentlich versprochen hatten. 847 Menschen aus aller Welt sollten wir ein menschenwürdiges Leben sichern. Zumindest so lange, bis das Asylgericht über deren weitere Zukunft entschieden hat. Das sind nicht einmal zehn Menschen pro Vorarlberger Gemeinde. Verschämt hat der Landeshauptmann jetzt zugesagt, dass man auch noch die restlichen 200 Plätze bereitstellen werde.

Man brauche noch Zeit, hieß seit Jahren die fadenscheinige Ausrede der ÖVP-Vertreter. Christlich-soziale Werte – die sonst so gerne in Sonntagsreden bemüht werden – sucht man in dieser Debatte vergeblich.

Ganz übel muss aber jedem auch nur ansatzweise sozial eingestellten Menschen in Vorarlberg werden, wenn Dieter Egger gebetsmühlenartig seine fremdenfeindlichen, ­menschenverachtenden Allgemeinplätze in der Asyl­thematik absondert.

Straches Erfüllungsgehilfe sieht es als „Alarmsignal“, wenn das reiche Österreich ein wenig mehr Asylwerber aufnimmt als der EU-Schnitt. Österreich sei ein attraktiver Zielpunkt für Wirtschaftsflüchtlinge, „die lediglich die Vorteile unseres Sozialstaats in Anspruch nehmen ­wollen“.

Dabei weiß auch Egger ganz genau, wie verzweifelt ein Mensch sein muss, der samt seiner Familie mit Kleinkindern bei Nacht und Nebel seine Heimat, seine Eltern und seine Freunde zurücklässt, ohne zu wissen, was ihn in einem fremden Land erwartet. Oder glaubt Egger wirklich, dass das chronisch überfüllte Flüchtlingslager in Traiskirchen eine Traumdestination aus dem Ferienkatalog ist?

Ist ein Wirtschaftsflüchtling für Egger jemand, der sich statt einer kleinen eine größere Wohnung leisten will oder jemand, der aufgrund seiner kritischen Haltung zu einem politischen Regime keine Arbeit hat, seine Familie nicht ernähren oder die kranken Kinder nicht zu einem Arzt schicken kann?

Dieter Egger hat einmal mehr gezeigt, dass er auf der Regierungsbank unseres Landes nichts verloren hat. Der „Judensager“ vor der letzten Wahl war kein Ausrutscher. Der Hohenemser ist ein Politiker am äußersten rechten Rand. Und dass dieses Gedankengut ein Vorarlberger Exportschlager wird, darauf können wir getrost verzichten.

christian.ortner@vn.vol.at, 05572/501-827