Angst vor Wiener Atomtransport

Politik / 31.10.2012 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Atominstitut im Wiener Prater: Alte Brennstäbe sollen am 4. oder 5. November nach Koper (Slowenien) gebracht werden. Foto: APA
Atominstitut im Wiener Prater: Alte Brennstäbe sollen am 4. oder 5. November nach Koper (Slowenien) gebracht werden. Foto: APA

Brennstäbe werden nach Slowenien gebracht. Dort wächst der Unmut.

Wien. (VN) Der „Mini-Castor“-Atomtransport nach Wien – die VN berichteten bereits am 8. Oktober exklusiv da­rüber – beschäftigt jetzt auch die italienische und slowenische Öffentlichkeit. Derzeit werden in Österreichs einzigem Atomreaktor, dem 1960 fertiggestellten Prater-Reaktor der Technischen Universität Wien, die nuklearen Brennstäbe getauscht. Eine Polizeihundestaffel, Securityteams, Absperrungen und höchste Geheimhaltung über Datum und Ablauf der Operation sollen dabei für größtmögliche Sicherheit sorgen.

91 abgebrannte Brennstäbe

Am Montag hat ein Spezial-Lkw vom Hafen Koper in Slowenien kommend 77 neue Brennelemente in das Gelände des Atominstituts in Wien geliefert. Dort werden gerade die jeweils 72 Zentimeter langen mit Zirkon ummantelten Uranstäbe in den neun Meter hohen Versuchsreaktor eingesetzt und 91 abgebrannte Brennstäbe in den Spezialcontainer mit dem bekannten gelben Zeichen für nukleare Fracht gehievt.

Jetzt ist auch bekannt, wann der „Mini-Castor“-Transporter wieder Richtung Koper fahren wird. Es ist der 4. oder 5. November, wie die slowenische Tageszeitung „Dnevnik“ berichtet. An einem dieser beiden Tage soll der Spezialcontainer auf ein im Hafen Luka Koper wartendes Schiff verladen werden. „Die Spezialbehälter im Container halten eine halbe Stunde lang einer Temperatur von 800 Grad und einem Sturz aus 10 bis 15 Metern stand“, beruhigt der Direktor der slowenischen Atomsicherheitsbehörde, Andrej Stritar. Tatsächlich sind die Minibrennstäbe aus dem Prater nicht mit Brennstäben aus Atomkraftwerken vergleichbar; die Leistung des Reaktors in Wien beträgt mit 250 kW ein 1500stel der des AKW im schweizerischen Beznau. Dennoch ist die slowenische Öffentlichkeit beunruhigt, schließlich befährt der Spezialtransport gleichzeitig mit Tausenden anderen Fahrzeugen die Autobahn von Wien nach Koper.

Demonstrationen befürchtet

Das Schiff mit den Nuklearbrennstäben aus Wien sorgt auch im benachbarten Italien für Aufregung. Es wird nämlich ­– bevor es endgültig zur Aufbereitung der Brennstäbe Richtung USA zur Firma General Atomics geht – am 5. November im Hafen von Triest Atommüll aus dem Zwischenlager Avogadro Saluggia aufnehmen, wie die Tageszeitung „Il Piccolo“ schreibt. Diese ungleich gefährlichere Fracht wird mit 15 Spezialtransportern zum Hafen transportiert. Die Straßen werden dabei aus Sicherheitsgründen gesperrt, weil die Behörden befürchten, dass Demonstranten der Organisation „No Nuke“ den Konvoi aufhalten könnten.

Die Spezialbehälter halten einer Temperatur von 800 Grad stand.

Andrej Stritar