Zypern sucht nach Krisenlösung

Politik / 20.03.2013 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Finanzminister Michalis Sarris vor dem Finanzministerium in Moskau: Er versuchte gestern den Kreml zu finanzieller Hilfe zu bewegen. Foto: AP
Finanzminister Michalis Sarris vor dem Finanzministerium in Moskau: Er versuchte gestern den Kreml zu finanzieller Hilfe zu bewegen. Foto: AP

Nach Scheitern des Euro-Rettungspakets: Zypern setzt Hoffnungen auf Russland.

Heinz Gstrein

Wien. Nach der spektakulären Zurückweisung des Rettungspakets der EU durch die zypriotische Republik zeichnet sich in Nikosia eine Hinwendung zu den Russen ab. In der allgemeinen Volks- und Medienstimmung des vom Bankrott bedrohten Staats ist dieser Trend schon länger vorherrschend. Er kommt sowohl von der mächtigen griechisch-orthodoxen Kirche als auch von der starken kommunistischen Partei AKEL. Beide sehen im russischen Präsidenten Wladimir Putin je nach Perspektive den Schirmherrn der gesamten Orthodoxie oder einen neuen Kremlgewaltigen, der den neoliberalistischen Westen wie einst Väterchen Stalin in die Schranken weist.

Im Interesse der Oligarchen

Während alle Banken und sogar Bankomaten bis nächste Woche gesperrt bleiben, entlud sich gestern schon den vierten Tag in Folge die Volkswut gegen die Europäische Gemeinschaft: „Nie werden wir EU-Sklaven sein!“, skandierten die Sprechchöre. Mit Tränen in den Augen dankten aufmarschierte zypriotische Sparefrohs den Volksvertretern für die Rettung ihrer Guthaben vor dem „Brüsseler Kontenklau“ – obwohl inzwischen klar auf der Hand liegt, dass vom Parlament das westliche Hilfs- und Sparpaket nicht den Kleinguthaben zuliebe, sondern im Interesse der milliardenschweren Konten russischer Oligarchen zurückgewiesen wurde.

Die Rechnung dafür präsentierte in Moskau der zypriotische Finanzminister Michalis Sarris bereits gestern. Das russische anstelle des EU-Rettungspakets sieht eine Verlängerung des jetzt fälligen Kreml-Kredits im Wert von 2,5 Milliarden Euro sowie den Ankauf von Staatsanleihen der Republik Zypern in großem Stil durch die Russen vor. Die genauen Bedingungen sollen heute unter Dach und Fach sein, für „gleich danach“ hat Putin aus Nikosia Präsident Anastasiades in den Kreml eingeladen.

Nachahmer in Griechenland

Im Gespräch ist auch ein Deal mit dem russischen Energiegiganten Gazprom zur Ausbeutung der Erdgasvorkommen vor dem südlichen Ufer der Insel. Zypriotische Regierungskreise spekulieren inzwischen darauf, dass ihr Abschwenken zum „neuen Osten“ in Griechenland nicht nur Beifall, sondern Nachahmung findet. Der griechische Linksaußen Alexis Tsipras hat bereits eine Hilfszusage von Putin in der Tasche. Er wird jetzt alles daran setzen, die EU-treue und sparwillige Regierungskoalition in Athen zu stürzen. Selbst in diesem Fall scheint der Euro nicht akut gefährdet. Umso größer wäre der politische Schaden für die EU an ihrer Südostflanke. Die zyperntürkische Presse verweist schon genüsslich darauf, dass diesem Knistern im europäischen Gebälk ein Wirtschaftsboom in der Türkei gegenüberstehe, die aber von der „Pleiten-EU“ weiter draußen vor der Tür gelassen werde.