Der Westen als „Nothelfer“ für Zypern – finale Runde in Brüssel

Politik / 24.03.2013 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das zypriotische Volk ist angesichts der jüngsten Entscheidungen empört. Der Zorn richtet sich gegen die eigene Regierung und die EU. foto: Apa
Das zypriotische Volk ist angesichts der jüngsten Entscheidungen empört. Der Zorn richtet sich gegen die eigene Regierung und die EU. foto: Apa

Verhandlungen bis zur letzten Minute – Russen wollten sich nicht die Finger verbrennen.

Heinz Gstrein

Brüssel, Nikosia. (VN) Das Ringen um eine Abwendung des Zusammenbrechens von Zyperns Bankwesen verlagerte sich gestern nach Brüssel: Dort traf Präsident Anastasiades zu einer Art finalem Endkampf in der Eurogruppe ein. Zuvor wurde in Nikosia bis zur letzten Minute mit der „Troika“ von EU, EZB und IWF über Einzelheiten des Rettungspakets verhandelt.

„Notopfer“

Dazu gab es immer noch widersprüchliche Meldungen über die Art und Höhe des Sparern und Großeinlegern abverlangten „Notopfers“. Dabei soll sich die rumänische Vertreterin des IWF, Delia Velculescu, höchst unerbittlich gezeigt haben. Sie wird von den Zyperngriechen als „Draculescu“ tituliert. An Unbeliebtheit hat sie der deutschen Kanzlerin Merkel den Rang abgelaufen.

Weiter sind in Nikosia jede Art Spekulationen im Umlauf, warum die von Russland erbetene Hilfe völlig aus­geblieben ist. Letzte Woche hatten sich Politiker aller Richtungen und die einflussreiche griechisch-orthodoxe Kirche dem Kreml regelrecht angebiedert. Sie drückten ihre Bereitschaft aus, den Euro und sogar Zyperns EU-Mitgliedschaft gegen eine enge wirtschaftlich-politische Bindung an Moskau zu tauschen.

Dass Putin dennoch Finanzminister Sarris abblitzen ließ, wird von Zyperns Medien mit zwei Überlegungen des Kreml-Chefs begründet. Die Tageszeitung „Der Liberale“ verweist auf die Tatsache, dass die in Nikosia gebunkerten Russen-Milliarden keine staatlichen Euro-Reserven, sondern Fluchtgelder der postkommunistischen Oligarchen sind. Mit ihnen stehen Putin und Medwedew zunehmend auf Kriegsfuß. Es kann ihnen daher nur recht sein, wenn diese Einlagen gestutzt werden. Davon unabhängig vermutet das zypernkommunistische Parteiblatt „Morgenröte“, dass Russland vor dem Hintergrund seiner Verwicklung in den syrischen Bürgerkrieg nicht riskieren will, auch noch in den schwelenden Zypernkonflikt hineingezogen zu werden. Es habe in Moskau Unmut erregt, dass die Regierung von Präsident Anastasiades als Sicherheit für eine Rettung der Inselrepublik Erdgasvorkommen anbot, die auch von der Türkei zugunsten der Zyperntürken beansprucht werden. Dazu komme, dass der Kreml die EU nicht zu diesem Zeitpunkt provozieren will, an dem er das Einvernehmen mit Brüssel und der NATO zu Syrien sucht.

Bis zum Redaktionsschluss gestern um 22.30 Uhr wurde noch keine Entscheidung der Eurogruppe über eine Finanzhilfe für Zypern verlautbart. Wegen der zähen Verhandlungen auf Spitzen­ebene verzögerte sich am Abend der offizielle Beginn des Krisentreffens der Euro-Finanzminister in Brüssel um mehr als vier Stunden.