Papst ruft zum Kampf „gegen das Böse“ auf

Politik / 24.03.2013 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Historische Begegnung mit einer herzlichen Umarmung: Papst Franziskus besuchte Vorgänger Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Foto: AP
Historische Begegnung mit einer herzlichen Umarmung: Papst Franziskus besuchte Vorgänger Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Foto: AP

Papst trifft Vorgänger und spricht am Palmsonntag den Christen Mut zu.

Rom. (VN-tm) Worüber sie eine Dreiviertelstunde lang ganz allein gesprochen haben, bleibt für die Öffentlichkeit tabu: Papst Franziskus traf am Samstag seinen Vorgänger Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Das vatikanische Presseamt veröffentlichte reizende Details – Umarmungen, Geschenke, Bekenntnisse („Wir sind Brüder“) – aber nichts zum Inhalt.

Wieder den Teufel bemüht

Tags darauf versammelten sich 250.000 Menschen zur Palmsonntagmesse auf dem Petersplatz. Wieder genoss Franziskus das Bad in der Menge. Segnete Palmen und Olivenbaumzweige, küsste kleine Kinder, schüttelte Hände. In seiner Predigt rief er den Pilgern zu: „Seid niemals traurige Menschen: ein Christ darf das niemals sein! Lasst euch niemals von Mutlosigkeit überwältigen! Unsere Freude entspringt nicht aus dem Besitzen vieler Dinge, sondern daraus, einer Person begegnet zu sein: Jesus, der mitten unter uns ist.“

Der Papst forderte sie zum Kampf gegen „das Böse der Menschheit“ auf, gegen „Kriege, Gewalttaten, Wirtschaftskonflikte, Gewinnsucht“. Seine Oma habe ihm schon beigebracht; „Das letzte Hemd hat keine Taschen. Liebe zum Geld, Machtstreben, Korruption Spaltungen, das sind Verbrechen gegen das menschliche Leben und gegen die Schöpfung!“

Den Jugendlichen auf dem Petersplatz sagte Franziskus zu, dass er im Juli zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro kommen wird: „Ich verabrede mich mit euch in dieser großen Stadt Brasiliens!“ Die Jugend sei so wichtig für die Kirche: „Ihr bringt uns die Freude des Glaubens und sagt uns, dass wir den Glauben mit einem jungen Herzen leben müssen, immer, mit einem jungen Herzen, auch mit siebzig, achtzig Jahren!“ Am Gründonnerstag wird Franziskus den Abendmahlsgottesdienst in einem Jugendgefängnis feiern und zwölf jugendlichen Strafgefangenen die Füße waschen.

In den Jubel über den neuen Papst mischen sich irritierte Stimmen aus dem traditionalistischen Lager der katholischen Kirche. Befürworter der lateinischen Messe deponieren in Internetforen ihre Angst, dass alles, was Benedikt XVI. hoffähig gemacht hat, nun wieder verschwinden könnte. Das deutsche Nachrichtenportal „katholisches.info“ hat genau verzeichnet, dass Papst Franziskus am Palmsonntag einen Kniefall ausgelassen und noch immer nicht gesungen hat. „Kann er gar nicht singen?“ Hat er Knieschmerzen? Oder schleichen sich „unwürdige Modernismen“ ein? Die ultrakonservativen Piusbrüder wiederum haben entsetzt festgestellt, dass Papst Franziskus vor Tagen Vertreter der Muslime als Menschen begrüßt hat, „die den einen, lebendigen und barmherzigen Gott anbeten“. Da schimmern deutlich Dokumente des II. Vatikanischen Konzils durch.