Sechste Urlaubswoche lässt Wogen hochgehen

Politik / 25.03.2013 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sechste Urlaubswoche: Sozialminister Hundstorfer (l.) versus Wirtschaftsminister Mitterlehner. Foto: AP
Sechste Urlaubswoche: Sozialminister Hundstorfer (l.) versus Wirtschaftsminister Mitterlehner. Foto: AP

Gewerkschaften sind dafür. Die Wirtschaft ist dagegen. Die Parteien beziehen unterschiedlich Stellung.

WIEN. (VN-toh) Die Frage nach einer sechsten Urlaubswoche ab einem bestimmten Alter, unabhängig von der Betriebszugehörigkeit, lässt die Wogen weiter hochgehen. Sozialminister Rudolf Hunds­torfer (S) hat vorige Woche die Diskussion gestartet.

Für die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus und Papier (GPA-djp) verweist der Vorsitzende Wolfgang Katzian darauf, dass die Ausdehnung des Anspruchs auf eine sechste Urlaubswoche insbesondere Frauen zugute käme, die seltener 25 Jahre bei einem Arbeitgeber blieben. Man könne den Anspruch auf sechs Wochen Urlaub schrittweise ausdehnen, etwa nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit statt nach 25 Jahren oder durch bessere Anrechnungsbestimmungen bei Beginn von neuen Dienstverhältnissen oder wie im Öffentlichen Dienst ab einem Alter von beispielsweise 43 Jahren.

Auch Vorarlbergs ÖGB-Chef Norbert Loacker „begrüßt den Vorstoß von Sozialminister Rudolf Hundstorfer für sechs Wochen Urlaub nach 25 Dienstjahren“. Für ­Loacker herrscht gerade beim Urlaubsgesetz ein großer Reform- und Handlungsbedarf. Seit Jahrzehnten sei hier nichts geschehen. „Arbeitnehmer über 50 Jahre brauchen zumindest 6 Wochen Urlaub, um sich regenerieren zu können“, betont der Landesvorsitzende. Er appelliert an die Wirtschaft und die ÖVP, ihre bisherige „Blockadehaltung aufzugeben“.

Belastung noch höher

Aber genau die Wirtschaft hält dagegen. Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), ist der Meinung, dass eine Ausweitung von Urlaubsansprüchen Unternehmen massiv belasten würde. Damit wären Arbeitsplätze gefährdet. „Die Umsetzung dieser Forderung wäre ein absolut falsches Signal zu einer absolut falschen Zeit“, meint Gleitsmann. Österreich liege beim gesetzlichen Anspruch auf Urlaub und Feiertage ohnehin bereits im internationalen Spitzenfeld. Da die Belegschaft im Schnitt altere, kämen ohnehin mehr Mitarbeiter als früher in den Genuss der sechsten Urlaubswoche. Die Schweizer hätten eine Verlängerung jüngst „aus gutem Grund“ abgelehnt.

Datengrundlage gefordert

FPÖ-Vizeparteiobmann Norbert Hofer will sich zunächst einmal informieren und verlangt von Hundstorfer „eine brauchbare Datengrundlage“. Man müsse insbesondere überlegen, ob damit die Beschäftigung Älterer erschwert wird.

Für die Arbeitnehmersprecherin der Grünen, Birgit Schatz, würde eine sechste Urlaubswoche „weder die dringend notwendige Entlastung für Arbeitnehmer noch mehr Arbeitsplätze“ bringen. Sie fordert vorrangig eine Reduktion der Überstunden und der Tages- und Wochenarbeitszeiten. Mehr Burn-out-Fälle und steigende Arbeitslosigkeit verlangten nach einer „intelligenten Form der Arbeitszeitverkürzung“.

BZÖ-Obmann Josef Bucher sieht in dem Vorschlag „reines Wahlkampfgetöse“. Viel größere Probleme seien die Arbeitslosigkeit und die zu niedrigen Löhne. Daher sei eine Steuer- und Abgabensenkung wichtiger. Bei den Urlauben müsse „die Ungleichbehandlung von Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst abgeschafft werden“.

Beim Urlaubsgesetz herrscht ein großer Reformbedarf.

Norbert Loacker, ÖGB