Banken nun unter Polizeischutz

Politik / 26.03.2013 • 23:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Zypern will den Geldverkehr nur überwacht freigeben. Die Nerven liegen blank.

Nikosia. Wie kriegt man einen leckgeschlagenes Finanzsystem wieder flott? Bevor zig Bankfilialen nun am Donnerstag unter Polizeischutz die Rollbalken wieder hochfahren, bedurfte es erst einer filmreifen Verteilungsaktion:

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat dem Vernehmen nach Bargeld in dreistelliger Millionenhöhe an Zyperns Notenbank verschickt. Diese verteilte das Geld nach dpa-Informationen in handlichen Portionen an alle Institute des Landes.

Ursprünglich wollte das einstmals so wohlhabende Inselreich seine Geldinstitute nach der Schicksalsnacht auf Montag gleich wieder öffnen. Aber nicht nur die kolportierten Schreiduelle zwischen dem Chef der Bank of Cyprus, Andreas Artemi, und dem zyprischen Zentralbank-Chef Panikos Demetriades legten sich bleischwer auf die Ankündigung. Artemi trat gestern kopfschüttelnd zurück. Denn den Banken fehlt nicht nur buchstäblich das Wechselgeld in der Kassa. Auch geht die Angst um, wie sich die Kunden verhalten werden, sobald sie die Welt jenseits der Bankomaten wieder betreten dürfen.

Geld in Sicherheit gebracht

Diese Angst ist wohl begründet. In den Wochen vor der Schließung soll es ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland und Bargeld-Abhebungen gegeben haben. Parlamentspräsident Giannakis Omirou forderte nun die Liste mit den Überweisungen der vergangenen Wochen an. Zudem untersucht die Regierung in Nikosia Informationen, wonach auch nach der Schließung der Banken und der Sperrung des Online-Bankings noch hohe Summen ins Ausland transferiert worden seien.

Zur Kasse gebeten

Denn das mit der EU-Troika ausgehandelte 10-Milliarden-Rettungspaket sieht vor, dass reiche Anleger in Zypern rund 40 Prozent ihrer Geldanlagen verlieren werden. Auf diesen Abschlag könnte sich der Beitrag summieren, den wohlhabende Sparer zur Sanierung des überdimensionierten Bankensektors leisten sollen. Finanzminister Michalis Sarris nannte dies im britischen Sender BBC eine realistische Größenordnung.

Der Abschlag ist Teil des ­Sanierungskonzepts für den zyprischen Bankensektor. Die Sanierung bzw. Abwicklung der beiden größten Banken des Landes soll mit Geld der Eigentümer, Investoren und großen Sparer finanziert werden. Verschont werden Einlagen bis zu 100 000 Euro. Das zweitgrößte Geldhaus, die Laiki-Bank, wird geschlossen, ein Teil ihres Geschäfts übernimmt die Bank of Cyprus.

Vorsichtsmaßnahmen

Unklar blieb, wie die geplanten Kapitalverkehrsbeschränkungen aussehen werden und wie lange diese bestehen bleiben. Damit soll verhindert werden, dass Sparer bei Wiederöffnung der Banken ihr gesamtes Geld abziehen. Es wird erwartet, dass Bankkunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen.

Der Parlamentspräsident will aber auch prüfen, ob hohe Beamte, die in den Entscheidungszentren der Notenbank oder im Präsidialgebäude sitzen und von der bevorstehenden Entscheidung zur Schließung der Banken am 16. März wussten, ihr Geld ins Ausland geschafft haben. Zyprische Medien berichteten ohne Quellenangabe, es seien „Unmengen“ Geldes abgehoben worden.