Sinnvollere Jobs für Rekruten

Politik / 15.04.2013 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ließen sich zur Pressekonferenz von Wien in die Steiermark fliegen: Johanna Mikl-Leitner und Klug (r.). Foto: APA
Ließen sich zur Pressekonferenz von Wien in die Steiermark fliegen: Johanna Mikl-Leitner und Klug (r.). Foto: APA

Wehrpflicht: Klug will weniger Kellner und Chauffeure. Schröckenfuchs begrüßt Ansätze.

Wien. (VN) Drei Monate nach der Volksbefragung zugunsten der Wehrpflicht werden erste Konsequenzen sichtbar: Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) haben gestern Maßnahmen präsentiert, die bereits im Herbst eine „Attraktivierung“ des Grundwehrdienstes bringen sollen. Konkret sollen noch heuer weniger Rekruten als Kellner und Chauffeure eingesetzt werden. 350 neue Grundwehrdiener könnten so „direkt zur Truppe“ einrücken, erläuterte Klug bei einer Pressekonferenz am steirischen Truppenübungsplatz Seetaler Alpe. In den nächsten beiden Jahren soll das Verhältnis Systemerhalter zu Rekruten im „militärischen Kerngeschäft“ von derzeit 60 Prozent zu 40 Prozent „umgedreht“ werden.

Derzeit seien 1800 Grundwehrdiener Kellner, 1600 Chauffeure: „Im ersten Schritt“ soll hier heuer in beiden Bereichen um zehn Prozent verringert werden. Ab 2014 möchte Klug die kellnernden Grundwehrdiener um 50 Prozent reduzieren. 900 würde man so „eins zu eins hin zur Truppe“ bringen.

Endbericht bis zum Sommer

Diese Maßnahmen sind ein erstes Ergebnis der Arbeitsgruppe von SPÖ und ÖVP zur Wehrdienstreform. Weitere Vorhaben sollen folgen, bis zum Sommer soll ein Endbericht vorliegen. Zu den Kosten befragt, meinte Klug, der erste Schritt „solle kostenneutral über die Bühne“ gehen. Generalleutnant Othmar Commenda hielt dazu fest, dass es sich um Einsparungen handle: „Diese Soldaten werden von uns nicht ersetzt.“

Die Maßnahmen in der Folge hofft Klug durch Einsparungen in anderen Bereichen und notfalls über Umschichtungen im Ressort oder die Auflösung von Rücklagen zu finanzieren. Außerdem habe ja die Regierungsspitze bereits festgehalten, dass die Reform bei einem attraktiven Gesamtkonzept „an der einen oder anderen Million nicht scheitern“ werde.

Warnanlage ersetzt Rekruten

Am Truppenübungsplatz Seetaler Alpe wird im Rahmen eines der Pilotprojekte, die noch Klug-Vorgänger Norbert Darabos (SPÖ) initiiert hatte, bereits auf Grundwehrdiener als Systemerhalter verzichtet. Unter anderem ersetzt eine technische Warnanlage 36 Rekruten, führte Kommandant Oberst Manfred Hofer aus. Auch Leiharbeiter und eine Reinigungsfirma sind im Einsatz, die aktuellen Kosten bezifferte Hofer mit insgesamt rund 589.000 Euro.

Ex-Militärkommandant

Gottfried Schröckenfuchs, der vor der Volksbefragung in Vorarlberg das Personenkomitee für die Beibehaltung der Wehrpflicht geleitet hat, begrüßt die ersten Reformankündigungen: „Offensichtlich hat der neue Minister die politische Erstarrung gelöst.“ Zumal die landläufige Unzufriedenheit mit dem Wehrdienst auf die Masse an System­erhaltern zurückzuführen sei, richtig umgesetzt, jede Verringerung gut.

Offensichtlich hat der neue Minister die Erstarrung gelöst.

Gottfried Schröckenfuchs