Die (nicht ganz) terrorfreie Woche

Politik / 11.08.2013 • 21:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Da sind wir ja noch einmal davongekommen: In den vergangenen sieben Tagen hat es auf der ganzen Welt nicht die für diese Zeit avisierten mörderischen Al-Kaida-Terroranschläge auf westliche und vor allem amerikanische Einrichtungen und Personen gegeben. Anschläge, zu denen die US-Super-Horchagentur NSA vor einer Woche kryptische Planungshinweise aufgefangen hatte. Oder glaubte, aufgefangen zu haben. Was prompt zur zeitweiligen Schließung von vielen „gefährdeten“ US-Botschaften, der Evakuierung von US-Bürgern aus nämlichen Ländern, der mit Sonderflügen bewerkstelligten Notunterbringung bedrohter US-Diplomaten in einem aus US-Horchsicht vertrauensmäßig drittklassigen Land (Deutschland) und einer all­gemeinen Reisewarnung der US-Behörden führte.

Der US-Horcherfolg war nach Einschätzung der in den allerhöchsten Washingtoner Polit-Etagen residierenden Horchagentur-Verteidiger ein weiterer Beweis für die lebensrettende Nützlichkeit und absolute Unverzichtbarkeit der alle Welt ausschnüffelnden NSA-Behörde. Und der eigentlich gar nicht mehr notwendige Beleg, dass der Moskauer Asylfreuden genießende NSA-Warner Edward Snowden auf dem Holzweg ist und eine Lebensgefahr für die Menschheit und vor allem für US-Amerikaner darstellt. Und der deshalb aus dem Verkehr gezogen und hinter US-Gitter und womöglich an die Giftspritze gehört.

Auf jeden Fall ist bei den ausgebliebenen Terroranschlägen wohl kein einziger Mensch gestorben. Was nichts als Grund zur Freude ist. Gleichzeitig machte das US-Militär in der vorgewarnten „Terrorwoche“ Jagd auf mutmaßliche Terrorplaner. Dabei wurden verlässlichen Angaben zufolge 27 „Terroristen“ per Drohnen-Fernsteuerung eliminiert. Dazu augenscheinlich (es ist ja alles so geheim) auch noch sechs völlig unbeteiligte und unverdächtige Zivilisten, darunter zwei Kinder. „Kollateralschaden“ heißt das im Racheengel-Jargon.

Edward Snowden war nicht unter den Toten. Denn erstens haben die US-Geheimdienstler null Ahnung, wo er sich derzeit nun genau im russischen Riesenreich aufhält. Und zweitens trauen sie sich zumindest derzeit noch nicht, mit Drohnenflügen in Putins Reich den dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen. Zur Strafe für die Snowden-Beherbergung sagte US-Präsident Obama aber, trotzig wie ein Kind, das seinen Schnuller aus dem Kinderwagen feuert, die Teilnahme am geplanten amerikanisch-russischen Jahrestreffen und die Begegnung mit dem „Kalten Krieger“ Putin in Moskau ab.

Peter W. Schroeder, Washington