Blutbad befürchtet

Politik / 12.08.2013 • 21:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Muslimbrüder bleiben hart und wollen die Absetzung Mursis nicht akzeptieren. Foto: AP
Die Muslimbrüder bleiben hart und wollen die Absetzung Mursis nicht akzeptieren. Foto: AP

Muslimbrüder: Polizei sah von geplanter Räumung von Protestlagern vorerst ab.

Kairo. Die ägyptische Regierung verzichtet vorerst auf eine gewaltsame Räumung der beiden Protestlager von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. Die Auflösung der Camps vor einer Moschee und einer Universität sei verschoben worden, um ein Blutvergießen zu vermeiden, sagte ein Mitarbeiter der ägyptischen Sicherheitskräfte gestern. Indes verlängerte ein Richter Mursis Untersuchungshaft um 15 Tage.

Der Aufschub der Räumung sei beschlossen worden, nachdem die Pläne an die Medien durchgesickert seien, hieß es zur Begründung. Ein Behördenvertreter sagte, die Polizei habe geplant, die Protestlager einzukreisen. Am Sonntagabend hatten die Behörden den Mursi-Anhängern ein Ultimatum gestellt, ihre Stellungen freiwillig aufzugeben. Da die Mursi-Anhänger dies ablehnen, war mit einer harten Konfrontation gerechnet worden.

Sanitäter stehen bereit

Die Sicherheitskräfte bereiteten sich derweil auf Zusammenstöße mit den Islamisten vor, die weiter hinter ihren Barrikaden ausharren. Aus Kreisen des Innenministeriums verlautete zuvor, dass Sanitäter bereit stünden, um etwaige Verletzte zu versorgen. Es wird erwartet, dass eine Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei die Räumung vornehmen soll.

Nach Mursis Sturz am 3. Juli hatten die Demonstranten mitgeteilt, so lange in ihren Lagern zu bleiben, bis Mursi wieder als Präsident des Landes eingesetzt sei. Inzwischen haben die Demonstranten massive Befestigungsanlagen um ihre Stellungen errichtet. Hüfthohe Barrieren aus Zement und Holz sollen Panzerfahrzeuge daran hindern, die Camps niederzuwalzen. Straßenhändler berichteten, sie hätten Hunderte Gasmasken, Schwimmbrillen und Handschuhe an die Demonstranten verkauft, die sich für den Einsatz von Tränengas durch die Polizei rüsten wollten.

Keine Lösung in Sicht

Eine Verhandlungslösung zwischen den Islamisten und der Regierung ist bislang nicht in Sicht. Ministerpräsident Hasem al-Beblawi machte am Sonntag noch einmal klar, dass die Räumung nicht mehr zu verhindern sei. Mehrere einflussreiche Mitglieder von Mursis Muslimbruderschaft lehnten eine Verhandlungslösung ab.

Ein ägyptisches Gericht verlängerte derweil die Untersuchungshaft gegen Mursi um 15 Tage. Mursi wird vorgeworfen, mit der Hamas zusammengearbeitet zu haben, als er und 33 andere Mitglieder seiner Muslimbruderschaft während des Aufstands gegen Ex-Präsident Husni Mubarak aus dem Wadi al-Natrun-Gefängnis westlich von Kairo ausbrachen. Damals wurden mindestens 14 Sicherheitskräfte getötet.

Gegen Mursi war Ende Juli eine erste 15-tägige Untersuchungshaft verhängt worden. In den Wochen nach seinem Sturz hatte ihn die neue Führung des Landes zunächst ohne offizielle Anschuldigungen festgehalten.