Muslimbrüder ziehen im Machtkampf den Kürzeren

Politik / 18.08.2013 • 21:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Beruhigung in ­Ägypten. Gefolgsleute der ­Muslimbruderschaft werden weniger.

Kairo. Nach den äußerst blutigen Zusammenstößen der vergangenen Tage beginnt sich die Lage in Ägypten etwas zu beruhigen. Immer weniger Gefolgsleute der Muslimbruderschaft folgen ihrem neuen Aufruf zu einer „Woche der Proteste“. So am Sonntag vor dem Kairoer Verfassungsgericht. Inzwischen beginnt das ägyptische Übergangskabinett den Muslimbrüdern auch propagandistisch entgegenzutreten. Im Radio sind eilig gefertigte Spottlieder auf die Islamisten zu hören, die meisten TV-Stationen strahlen die offiziellen Pressekonferenzen aus, von denen eine die andere jagt.

Inzwischen hat den Muslimbrüdern ihr zweitägiger Kirchensturm enormen Schaden in der ägyptischen Öffentlichkeit bereitet. Die Bruderschaft machte die ägyptischen Kopten zu Sündenböcken für die Absetzung des von ihr gestellten Präsidenten Mursi am 3. Juli und die spätere Räumung ihrer Protestcamps dagegen durch die Ordnungskräfte.

Von diesen Verheerungen abgesehen hat sich die Position der koptischen Christen jetzt grundsätzlich verbessert. Seit 1972, als ihre ersten Kirchen brannten, hatten sie es immer mit einem islamistischen Mob und einer mehr oder weniger mit diesem liierten Staatsmacht zu tun. Heute hingegen gehören die rund zwölf Millionen Kopten fest zum neuen „Establishment“ am Nil. Das war schon lange nicht mehr der Fall, seit sie 1919 mit den Muslimen die Revolution gegen die britischen Besatzer mitgetragen, die islamisch-christliche Wafd-Partei gebildet und die ägyptische Politik bis 1945 führend mitbestimmt hatten.

Krise längst nicht ausgestanden

Politische Beobachter in Kairo sind inzwischen skeptisch hinsichtlich der Wirksamkeit amerikanischer und EU-Repressalien, um die ägyptische Führung zu mehr Nachgiebigkeit für die Muslimbrüder zu zwingen. Es wird im Gegenteil befürchtet, dass sich der Nasser-Verehrer Generaloberst Sisi vom Westen ab- und einem Neonasserismus zuwenden, ja sogar wieder ins Lager der Russen wie vor 1971 überwechseln könnte. Im ägyptischen Regierungsfernsehen denkt man schon laut über so eine Entwicklung nach.

Davon abgesehen scheint die ägyptische Krise mit dem Abflauen der wildesten Proteste noch gar nicht ausgestanden zu sein. Die Muslimbruderschaft hat nur im Kräftemessen auf den Straßen den Kürzeren gezogen. Sie zieht sich jetzt in den Terroruntergrund zurück, in dem sie über mehr als sechzigjährige Erfahrung verfügt. Untergetaucht ist auch ihr oberster Leiter Mohammed Badie. Nach dem Tod seines Sohnes Ammar bei einem Schusswechsel mit der Polizei wird er dafür gewiss noch blutige Rache nehmen.