Wahlkampf wie in den USA

Politik / 18.08.2013 • 21:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Den bundesdeutschen Parlamentswahlkampf verfolgende US-Bürger, es gibt einige davon, reiben sich erstaunt die Augen. Das sei in Germany ja genauso wie in Amerika. Und das ist nicht unbedingt als Kompliment gemeint. Die ­Parallelen sind jedenfalls verblüffend: Hier wie da gingen und gehen die Kandidaten oberflächlich, weitgehend inhaltsleer, Personenkult pflegend und zu wirklichen Problemen nichtssagend-redend zu Werke. Welche Aufgaben sie nun genau und dann wie lösen wollen, verraten Parteien und Kandidaten auch auf bohrende Nachfragen nicht wirklich. Und eine Spaß-Partei wie die deutsche „Die Partei“, die in Berlin dafür kämpft, dass sich „Touristen gefälligst verpissen“ sollen, hat es auch im kalifornischen Amerika gegeben.

Natürlich haben die amerikanischen wie die deutschen Parteien rechtzeitig zum Wahlkampf „Wahlprogramme“ beschlossen und dem Vernehmen nach sogar drucken lassen. Doch im Wahlkampf redet kein Kandidat darüber. Diesseits und jenseits des Atlantiks ist dafür gelegentlich von „mehr Demokratie wagen“ die Rede. Was logischerweise bedeutet, dass mit der gegenwärtigen Demokratie-Praxis wohl nicht alles in Butter ist. Das hat schon ein Geheimnis-Ausplauderer namens Edward Snowden dokumentiert. Jener Vertreter, den amerikanische und deutsche Regierungspolitiker deshalb nicht mögen. Die einen wollen ihn mundtot-machend einsperren und die anderen verweigern ihm das freiheitsbewahrende Asyl.

Transatlantisch konzentriert sich das Interesse am Wahlgerangel auf die Spitzenkandidaten. Dass beim letzten Mal in den USA und jetzt in Deutschland auch jede Menge anderer Parlamentarier zur Wahl standen und stehen, wen juckte und juckt das schon. Die Amerikaner scharten sich um den „messianischen“ Obama und den privaten Geldvermehrer Romney. In Deutschland dreht sich jetzt alles um die ex-ostdeutsche „Mutti“ Merkel mit dem „Wir sitzen alles aus“-Etikett und den spröden Hanseaten Steinbrück, der wegen der Steuerhinterzieher die Kavallerie über die Alpen schicken wollte. Aber was versprach und verspricht das für die nächsten vier Regierungsjahre?

Und was erfuhren die amerikanischen und was erfahren die deutschen Wähler vom eigentlich meinungsbildenden und Urteile begründenden, tatsächlich aber vom „Worum geht’s hier eigentlich?“-Wahlkampf? Wer als „echt“ oder „sympathisch“ (oder als das Gegenteil) gilt; wer wortreich geschwiegen, oder wer klug oder auch „neuländischen“ Unsinn geredet hat. Und vor allem: Wer brandheißen Umfragen zufolge bei „Amerika/Deutschland sucht den politischen Superstar“ die Nase vorn oder ein, zwei Prozent Zustimmung gewonnen oder verloren hat. Und damit bereits als wahrscheinlicher Sieger feststeht. Da könnte man vorschlagen, die nächste Wahl doch einfach von den Demoskopen abwickeln zu lassen, damit die Wahlberechtigten zu Hause bleiben können. Was rund die Hälfte der Amerikaner bei der letzten Wahl schon tat und geschätzte 30 Prozent der deutschen Wahlberechtigten demnächst nachmachen wollen. Immerhin gibt es einen Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Wahlkämpfen: Die in den USA sind elend lang und irrsinnig kostspielig, und die in Deutschland erfreulich kurz und sehr viel billiger. Und was würde „Papa“ Heuss zu alledem sagen: „Na, dann wählt mal schön.“

Peter W. Schroeder, Washington