Fast tausend Tote in Ägypten

Politik / 19.08.2013 • 21:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Weltweite Proteste: Palästinenser für Mursi, ... Foto: AP
Weltweite Proteste: Palästinenser für Mursi, … Foto: AP

Weitere Zwischenfälle: Opferzahl steigt – Mubarak könnte freigelassen werden.

Kairo. In Ägypten verschärfen neue blutige Zwischenfälle die Lage. Gestern Vormittag haben mutmaßliche islamistische Extremisten auf der Sinai-Halbinsel 25 ägyptische Polizisten erschossen. Damit sind seit der Räumung der Protestlager von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi fast tausend Menschen getötet worden. Die Europäische Union will nun über mögliche Sanktionen gegen Ägypten beraten. Unterdessen teilten die Justizbehörden in Kairo mit, der langjährige Präsident Husni Mubarak könne noch diese Woche aus der Haft entlassen werden.

Für den gewaltsamen Tod der 25 Polizisten auf dem Sinai übernahm zunächst niemand die Verantwortung. Es werden jedoch islamistische Extremisten dahinter vermutet. Seit dem Sturz von Mursi am 3. Juli verüben sie Anschläge in dem strategisch wichtigen Gebiet zwischen Israel und dem Gazastreifen.

EU-Außenminister tagen

Die Außenminister der Europäischen Union wollen morgen zu einer Sondersitzung in Brüssel zusammenkommen, um über eine gemeinsame Reaktion auf die Gewalt­eskalation in Ägypten zu beraten. Gestern berieten sich bereits die Botschafter der 28 EU-Staaten. Unter anderem könnten Fördergelder gestoppt und Waffenlieferungen suspendiert werden, hieß es.

Am Sonntagabend hatte sich Armeechef al-Sisi erstmals seit der Räumung der beiden Protestlager der Mursi-Anhänger und der anschließenden Eskalation der Unruhen geäußert. Die Armee werde Gewalt, Brandschatzung und Terror nicht tatenlos mit ansehen, sagte er in einer Ansprache.

Bei einem weiteren Vorfall von Gewalt erstickten am Sonntag 36 festgenommene Islamisten in einem Gefangenentransporter – offenbar nach Einsatz von Tränengas während einer Revolte. Die Muslimbruderschaft forderte eine internationale Ermittlung, um den Tod der Gefangenen aufzuklären.

Die 36 Gefangenen sollten zusammen mit etwa 560 anderen in das Gefängnis Abu Saabal im Norden gebracht werden. Alle waren am Wochenende rund um den Kairoer Ramses-Platz festgenommen worden.

Mubarak winkt die Freiheit

Derweil könnte Mubarak nach mehr als zwei Jahren hinter Gittern vorerst auf freien Fuß kommen. Es gebe keinen Grund mehr, den 85-jährigen Mubarak festzuhalten, hieß es. Die zwei Jahre, die ein Mensch bis zum endgültigen Urteil längstens inhaftiert sein dürfe, seien bereits abgelaufen.

Derzeit wird der 2011 gestürzte Machthaber wegen Korruptionsvorwürfen festgehalten. Der Prozess gegen ihn wegen des Todes von etwa 900 Demonstranten während des Volksaufstandes 2011 werde neu aufgerollt. In erster Instanz war Mubarak im Juni 2012 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In diesem und einem anderen juristischen Verfahren hatte das Gericht seine Freilassung bereits angeordnet.

... Indonesier solidarisieren sich mit Muslimbruderschaft. Foto: RTS
… Indonesier solidarisieren sich mit Muslimbruderschaft. Foto: RTS
... Deutsche gegen Übergriffe auf ägyptische Frauen, ... Foto: EPA
… Deutsche gegen Übergriffe auf ägyptische Frauen, … Foto: EPA