Kleine Parteien sind im Netz groß vertreten

Politik / 19.08.2013 • 21:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kleine Parteien sind im Netz groß vertreten

Soziale Medien: Team Stronach und Neos stärker als Regierungsparteien.

Wien. (VN-joh) Wenn man von ihm wissen will, wie’s seiner Partei geht, verweist Neos-Chef Matthias Strolz gerne auf den „Politometer“. Auf dieser Internetseite wird ausgewiesen, wie stark Parteien und Politiker in den sozialen Medien vertreten sind. In der Auswertung zur 32. Kalenderwoche liegt das Team Stronach in der Kategorie „Parteien“ auf Platz eins, knapp gefolgt von den Neos. Die Grünen schaffen Platz drei, die SPÖ den vierten. Abgeschlagen dahinter befindet sich die ÖVP (siehe Grafik).

Bei den Politikern ist FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die unangefochtene Nummer eins. Sein Vorsprung auf die Mitbewerber – Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) – ist beträchtlich.

Dass neue bzw. kleine Parteien in sozialen Medien wie Twitter und Facebook größer sind als die alten, hat laut der aus Vorarlberg stammenden Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle viele Gründe: Grundsätzlich setze die österreichische Politik weniger auf die Möglichkeiten des Netzes als etwa die amerikanische. Wer den Zugang zum ORF und den wichtigsten Boulevardzeitungen habe, erreiche aufgrund der Medienkonzentration so viele Menschen, dass er andere Kanäle vernachlässigen könne: „Das gilt jedenfalls für die Regierungsparteien.“

Strache als Vorreiter

FPÖ-Chef Strache setze neue Medien im Unterschied zu SPÖ und ÖVP schon lange ein: „Er hat YouTube etc. vor allen anderen entdeckt.“ Auch seine Partei spiele eine Vorreiterrolle. So seien alle Parlamentsreden für jedermann abrufbar.

Beim Team bzw. Frank Stronach spiele offensichtlich dessen Herkunft eine Rolle: „Seine Homepage beispielsweise ist sehr amerikanisiert. Vor allem anfangs waren dort viele Videos, aber nur wenige Texte.“ Und bei den Neos sieht Stainer-Hämmerle einen pragmatischen Grund für die Stärke im Netz: „Weil sie in klassischen Medien weniger Auftrittsmöglichkeiten als die Parlamentsparteien haben, setzen sie verstärkt auf soziale Medien.“ Vor allem Junge könnten damit angesprochen werden. Ob es zu einem Wahlerfolg führt, wird sich aber erst weisen müssen.

Der Politometer misst Reichweite, Aktivität und Interaktion in den sozialen Medien über einen längeren Zeitraum. Das Ranking wird wöchentlich aktualisiert (www.politometer.at).

Strache hat YouTube etc. vor allen anderen entdeckt.

Kathrin Stainer-Hämmerle