Seehofer greift nach der Absoluten

Politik / 19.08.2013 • 21:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tritt mit 64 erstmals als Spitzenkandidat an: Horst Seehofer. Foto: DPA

Tritt mit 64 erstmals als Spitzenkandidat an: Horst Seehofer. Foto: DPA

Bayern wählt Mitte September: Ministerpräsident gibt sich siegessicher.

München. Das eine (CSU-Chef) war sein Lebenstraum, das andere (bayerischer Ministerpräsident) hatte er nie vor zu werden. Jetzt aber will Horst Seehofer beides bleiben, und zwar bis 2018. Bei der Landtagswahl am 15. September bewirbt sich der 64-Jährige um eine zweite Amtszeit als Regierungschef. Und glaubt man Umfragen, so kann Seehofer von einer Verlängerung ausgehen; die absolute Mehrheit ist möglich.

Als Retter geholt

Das ist auch die erste Landtagswahl, bei der sich Seehofer beweisen muss: Vor fünf Jahren, nach dem krachenden CSU-Desaster und dem Verlust der absoluten Mehrheit, hatte ihn die CSU als Retter von Berlin nach Bayern geholt. Parteiintern ist seine Machtposition seit Längerem – vor allem seit dem Aus für Karl-Theodor zu Guttenberg – unangefochten. Und das kostet Seehofer aus: Er lenkt die CSU, wohin es ihm passt. Und die Staatsregierung sowieso: Nicht einmal vor 180-Grad-Kehrtwenden schreckt er zurück. „Am schlimmsten ist die Kontinuität im Irrtum“, sagt er. Deshalb kassierte Seehofer inzwischen reihenweise klassische CSU-Positionen ein. Unter seiner Führung schaffte die Partei die Studiengebühren ab und bekannte sich zum Atomausstieg.

Dass er deshalb gerne als wankelmütig und populistisch verspottet wird, weist Seehofer mit dem Satz zurück, ihm gehe es um „die Koalition mit den Bürgern“. So verstehe er Demokratie.

Wie unangefochten sich Seehofer fühlt, zeigen auch weitere Punkte: in seinem Umgang mit Parteifreunden und in seinem Auftreten in Berlin. Nicht vergessen sind etwa seine öffentlichen Lästereien unter anderem über Finanzminister Markus Söder, dem er „zu viele Schmutzeleien“ vorwarf. Und in Berlin gefällt sich Seehofer darin, der Kanzlerin einmal seine Gefolgschaft zu versichern – und wenig später wieder den „brüllenden bayerischen Löwen“ zu geben. Jüngstes Beispiel: die Pkw-Maut, die er für Ausländer einführen möchte.

Viele Erfolge und Niederlagen

Nun also steht Seehofer vor der letzten großen Herausforderung seiner Karriere. In dieser hat er schon viele Erfolge, aber auch Niederlagen erlebt. 1992 wurde er Gesundheitsminister. Dann, nach der Wahlniederlage der Union 1998, gab er die Gesundheitspolitik, die Zuständigkeit für die Sozialpolitik in der Unionsfraktion und dann den Vize-Fraktionsvorsitz im Bundestag ab. 2005 kehrte Seehofer zurück, als Bundesagrarminister, 2008 kam er nach Bayern.

Am schlimmsten ist die Kontinuität im Irrtum.

Horst Seehofer