Syrien: Bis zu 1300 Tote durch Giftgas befürchtet

Politik / 21.08.2013 • 21:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Raum, in dem sich mehr als 90 Leichen befinden, die durch Chemiewaffeneinsätze umgekommen sein sollen. Foto: reuters
Ein Raum, in dem sich mehr als 90 Leichen befinden, die durch Chemiewaffeneinsätze umgekommen sein sollen. Foto: reuters

Regierungstruppen hätten Chemiewaffen eingesetzt, berichtet die Opposition.

Damaskus. Die syrische Opposition wirft den Regierungstruppen vor, bei einem Chemiewaffeneinsatz nahe Damaskus bis zu 1300 Menschen getötet zu haben. Die Zahl der Toten variiert je nach Quelle, übereinstimmend berichten die Regierungsgegner von einem Angriff mit Nervengas-Raketen im Morgengrauen. Die syrische Armee wies die Vorwürfe, Giftgas eingesetzt zu haben, zurück, dementierte die Bombardements jedoch nicht. Die sich gerade im Land befindenden UN-Chemiewaffenexperten sprachen von „verdächtigen Berichten“.

Andere Staaten kritisiert

„Mehr als 650 Tote sind das Ergebnis einer tödlichen Attacke mit Chemiewaffen in Syrien“, teilte die Syrische Nationale Koalition via Twitter mit. Der Oppositionspolitiker George Sabra sprach in Istanbul sogar von 1300 Toten. Der internationalen Gemeinschaft warf er vor, sich durch Schweigen zu dem Chemiewaffenangriff zum Komplizen des syrischen Regimes zu machen.

90 Prozent der Opfer seien durch Nervengas umgekommen, der Rest durch Bomben und andere Waffen, berichtete eine andere Oppositionsgruppe. „Eine riesige Zahl von Menschen war dem Gas ausgesetzt“, erklärte die Organisation. Die Zahl der Toten sei beständig gestiegen.

Im Internet tauchten zahlreiche Amateur-Videos und Fotos auf. Ein Film, der angeblich im Viertel Kafr Batna aufgenommen wurde, zeigt einen Raum mit mehr als 90 Leichen, darunter viele Kinder sowie einige Frauen und ältere Männer. Die Haut der Toten wirkte kreidebleich, Verletzungen waren jedoch nicht zu sehen.

Experten überrascht

Eine unabhängige Bestätigung für die Darstellungen der Opposition gab es zunächst nicht. Die syrische Armee wies in einer im Fernsehen verlesenen Stellungnahme Giftgasangriffe zurück, die Vorwürfe seien „unlogisch und fabriziert“. Die sonst umfassend aus Syrien berichtende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London sprach lediglich von schweren Bombardements mit Hunderten Toten.

Experten zeigten sich über den Zeitpunkt der Angriffe überrascht, da sich gegenwärtig ein UN-Team im Land befindet, das angebliche Chemiewaffeneinsätze durch Rebellen und Regime untersuchen soll. Dieses war erst vor drei Tagen in ein wenige Kilometer entferntes Hotel in Damaskus gezogen.

Syrien zählt zu den wenigen Ländern, die den internationalen Vertrag zum Verbot von Chemiewaffen nicht unterzeichnet haben. Der Westen geht davon aus, dass das Land über große Lager von Senfgas, Sarin und VX-Nervengas verfügt. Frühere Giftgas-Vorwürfe hatte die syrische Regierung bestritten und mit der Aussage gekontert, es seien die Rebellen, die chemische Kampfstoffe einsetzten. Der Westen geht jedoch nicht davon aus, dass die Aufständischen Zugriff auf Chemiewaffen haben.