ÖVP tastet sich an SPÖ heran

Politik / 23.08.2013 • 21:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
ÖVP tastet sich an SPÖ heran

VN-Umfrage: Auch Spindelegger kann seine Werte verbessern. Stronach verliert.

Wien. (VN-joh) Die Nationalratswahl ist noch nicht geschlagen. Das macht das Ergebnis der Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts Spectra im Auftrag führender Bundesländerzeitungen, darunter der VN, deutlich. Gegenüber der Erhebung im Juli hat es einige Veränderungen gegeben.

„Die ÖVP tastet sich an die SPÖ heran“, stellt Spectra-Chef Peter Bruckmüller fest: „Die Entwicklung zeigt sich nicht nur in der Sonntagsfrage, sondern auch – und zwar noch deutlicher – in den psychologischen Indikatoren wie der Kanzlerfrage und den Sympathiewerten der Spitzenkandidaten.“ Wenn die Nationalratswahl bereits morgen wäre, könnte die SPÖ mit 27 Prozent rechnen; das ist zwar weniger als beim Urnengang vor fünf Jahren, aber gleich viel wie vor einem Monat und verheißt Platz eins. Die ÖVP hält zurzeit 25 Prozent; das ist um einen Prozentpunkt mehr als im Juli. Noch stärker sind die Zuwächse, die ihr Obmann, Vizekanzler Michael Spindelegger, in den letzten Wochen erreichen konnte: In der Frage, wen man zum Kanzler wählen würde, erreicht er nicht mehr 19, sondern immerhin 24 Prozent; das bedeutet ein Plus von fünf Prozentpunkten. Amtsinhaber Werner Faymann kommt unverändert auf 30 Prozent.

Von Diskussionen profitiert?

Spectra wollte von den Befragten außerdem wissen, von wem sie eine gute Meinung haben: Spindelegger konnte sich dabei von 44 auf 54 Prozent signifikant verbessern. Zulegen konnte zwar auch Faymann; das aber nur auf 55 Prozent. Diskussionen über eine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters und die Arbeitszeitflexibilisierung mit Zwölf-Stunden-Tagen haben der ÖVP und dem Vizekanzler demnach nicht geschadet – im Gegenteil.

Ihre Hoffnungen auf Platz eins und das Kanzleramt sind laut Bruckmüller jedenfalls nicht begraben: „Der erste Platz für die SPÖ ist nicht hundertprozentig abgesichert. Die Kluft in der Sonntagsfrage ist für die ÖVP nicht unüberbrückbar. Angenommen, die Entwicklung schreibt sich fort, dann könnte das Bild in vier Wochen gekippt sein. Vorerst ist das aber nur ein Szenario. Die Momentaufnahme spricht nach wie vor für die SPÖ und Faymann.“

Sich leicht verbessern und ihre Position als drittstärkste Partei absichern konnten über den Hochsommer die Freiheitlichen: In der Sonntagsfrage haben sie um einen Punkt auf 19 Prozent zugelegt. Außerdem haben nicht mehr nur 18, sondern immerhin 22 Prozent eine gute Meinung von Strache. Auf der anderen Seite stößt er aber weiterhin auf so viel Ablehnung wie kein anderer Politiker: 70 Prozent haben eine schlechte Meinung von ihm.

Grüne hätten mehr Potenzial

Die Grünen liegen mit 14 Prozent konstant über ihrem letzten Nationalratswahlergebnis (10,4 Prozent). Bruckmüller sieht aber noch Potenzial; zumal sich jeder Dritte wünscht, dass sie in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen.

In den letzten Wochen massiv an Boden verloren hat das Team Stronach: In der Sonntagsfrage ist es seit Mitte Juli von zehn auf sieben Prozent zurückgefallen. Nur vier Prozent wünschen sich Frank Stronach als Kanzler. Laut Bruckmüller hat seine Partei Stimmen vor allem an FPÖ und ÖVP verloren.

Das BZÖ hat sich von zwei auf drei Prozent verbessert und ist damit der Vier-Prozent-Hürde für den Verbleib im Nationalrat näher gekommen. „Weit weg von einer Chance“, dort einzuziehen, sind laut Bruckmüller indes nach wie vor die Piratenpartei sowie die NEOS des Vorarlbergers Matthias Strolz.

Wenn sich diese Entwicklung fortschreibt, könnte das Bild in vier Wochen gekippt sein.

Peter Bruckmüller, Spectra
Aus heutiger Sicht halten SPÖ und ÖVP die absolute Mehrheit im Nationalrat. Und das BZÖ muss um seinen Verbleib zittern. Foto: APA
Aus heutiger Sicht halten SPÖ und ÖVP die absolute Mehrheit im Nationalrat. Und das BZÖ muss um seinen Verbleib zittern. Foto: APA

Wien. (VN) Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Spectra diese Woche 700 wahlberechtigte Österreicherinnen und Österreicher befragt. Die Schwankungsbreite der Angaben liegt bei plus/minus 3,78 Prozentpunkten.