USA bereiten Militärschlag vor

Politik / 27.08.2013 • 21:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Lang lebe der Weltfrieden, wir verurteilen das Massaker an syrischen Kindern“, steht auf dem Banner indischer Schulkinder geschrieben, die gestern in Hyderabad protestierten. Foto: AP
„Lang lebe der Weltfrieden, wir verurteilen das Massaker an syrischen Kindern“, steht auf dem Banner indischer Schulkinder geschrieben, die gestern in Hyderabad protestierten. Foto: AP

Giftgasvorwürfe: Auch Briten rüsten gegen Syrien auf. Damaskus will sich verteidigen.

London. (VN-ebi, apa) Großbritannien und die USA rüsten sich für einen Militärschlag gegen das syrische Regime. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel warten die Soldaten nur noch auf den Einsatzbefehl von Präsident Barack Obama. Der Geheimdienst werde bald offiziell bestätigen, dass der Angriff nahe Damaskus – der vor einer Woche rund 1300 Menschen in den Tod gerissen haben soll – eine Chemiewaffenattacke der Regierungstruppen gewesen sei. Es gebe „unwiderlegbare“ Beweise dafür, hatte US-Außenminister John Kerry bereits am Montag erklärt. Auch in Großbritannien laufen derzeit die Vorbereitungen auf einen Militärschlag gegen das syrische Regime. Die britische Regierung hat die Abgeordneten des Unterhauses aus der Sommerpause zurückgerufen. Morgen, Donnerstag, werden sie zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen, um über eine Beteiligung Großbritanniens an einem möglichen Militärschlag gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad zu diskutieren, teilte gestern Premierminister David Cameron via Twitter mit.

Starke Front gegen Assad

Die Türkei rief gestern dazu auf, so schnell wie möglich zu einer militärischen Koalition gegen das Assad-Regime zusammenzufinden. Staatspräsident Abdullah Gül appellierte an die internationale Gemeinschaft, dass es keine Zeit mehr für diplomatische Manöver gebe, sondern jetzt konkret gehandelt werden müsse. Wie Istanbul plädiert auch die Arabische Liga dafür, die syrische Regierung für die tödlichen Giftgasangriffe zur Rechenschaft zu ziehen. Sie will kommende Woche bei einem Ministertreffen weiter über die Entwicklung in Syrien beraten. Dort weist die Staatsspitze weiterhin alle Vorwürfe zurück. Das Assad-Regime bekräftigte gestern, sich gegen einen möglichen Militärschlag zu wehren. „Wir haben zwei Optionen: uns zu ergeben oder uns mit den zur Verfügung stehenden Mittel zu verteidigen“, sagte Außenminister Walid al-Muallim. „Die zweite Möglichkeit ist die beste.“ Dazu stünden militärische Mittel zur Verfügung, die die Welt „überraschen“ würden. Die westlichen Staaten würden sich täuschen, „wenn sie denken, dass sie einen Sieg unserer Streitkräfte verhindern können“, so Muallim.

Die Regierung in Moskau lehnt eine militärische Intervention in Syrien ab. Vor ­allem würde dazu die Zu­stimmung des UN-Sicherheitsrats fehlen, erklärte Russlands Außenminister Sergej Lawrow.

Mission verschoben

Die UN-Inspekteure harren derzeit weiterhin in Syrien aus. Wegen Sicherheitsbedenken ist der zweite Besuch der Experten an den Orten mutmaßlicher Giftgasangriffe um einen Tag verschoben worden. Die UN-Kontrollore wurden am Montag von Scharfschützen beschossen. Nun soll die Vorbereitung auf den nächsten Einsatz verbessert werden.

Es gibt Beweise für einen tödlichen Chemiewaffenangriff.

John Kerry

Westliche Staaten können unseren Sieg nicht verhindern.

Walid al-Muallim
Aleppo ist bereits in Schutt und Asche geschossen. Foto: RTS
Aleppo ist bereits in Schutt und Asche geschossen. Foto: RTS
UN-Kontrollore bei Opfern möglicher Giftgasangriffe. Foto: RTS
UN-Kontrollore bei Opfern möglicher Giftgasangriffe. Foto: RTS
Werkstätte der Rebellen: Mörsergranate entsteht. Foto: RTS
Werkstätte der Rebellen: Mörsergranate entsteht. Foto: RTS
UN-Experten suchen nach Hinweisen auf chemische Waffen. Foto: AP
UN-Experten suchen nach Hinweisen auf chemische Waffen. Foto: AP
USA bereiten Militärschlag vor
Israelis rüsten sich mit Gasmasken für mögliche Angriffe. Foto: RTS
Israelis rüsten sich mit Gasmasken für mögliche Angriffe. Foto: RTS

Chronologie

15. März 2011: Eine Demonstration in Damaskus setzt eine Protestwelle gegen das Assad-Regime in Gang. Schon in den ersten Tagen werden mehr als 100 Menschen getötet.

3. August: Der UN-Sicherheitsrat einigt sich erstmals auf eine Verurteilung Baschar al-Assads.

4. Februar 2012: Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

25. Februar: In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe für ein demokratisches Syrien“.

14. April: Die UN schicken nach einem Beschluss des Sicherheitsrats Militärbeobachter nach Syrien.

2. August: UN-Vermittler Kofi Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an Zivilisten gemeldet.

20. August: US-Präsident Barack Obama droht mit Konsequenzen, sollte das Assad-Regime die „rote Linie“ überschreiten und Chemiewaffen einsetzen.

28. Februar 2013: Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

19. März: Rebellen und Armee beschuldigen sich gegenseitig, Giftgas eingesetzt zu haben.

14. Juni: Der US-Geheimdienst geht davon aus, dass das Assad-Regime chemische Kampfstoffe einsetzt.

26. August: Der von UN-General Ban Ki-moon berufene Giftgasexperte Åke Sellström bricht mit einem Expertenteam auf, um den Verdacht eines Chemiewaffeneinsatzes zu untersuchen. Die USA sind laut Außenminister John Kerry so gut wie überzeugt, dass das Regime Giftgas eingesetzt hat. Die USA und die internationale Gemeinschaft müssten darauf antworten.