„Politik soll auf Schüler hören“

Politik / 28.08.2013 • 21:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schüler stünden im Mittelpunkt, heißt es in Sonntagsreden: Wenn es um Reformfragen geht, werden sie aber nur selten gehört. Das müsse sich ändern, sagen Schulsprecher und fordern mehr Mitbestimmung. Foto: APA
Die Schüler stünden im Mittelpunkt, heißt es in Sonntagsreden: Wenn es um Reformfragen geht, werden sie aber nur selten gehört. Das müsse sich ändern, sagen Schulsprecher und fordern mehr Mitbestimmung. Foto: APA

Landesschulsprecher sehen Reformbedarf, wollen aber auch selbst mitbestimmen.

Wien. (VN-joh) Wenn über Schulreformen

geredet wird, kommen sie nur selten zu Wort. Und das ärgert sie gewaltig, zumal in Sonntagsreden immer wieder behauptet wird, dass sie, die Schüler, im Mittelpunkt stünden: „Die Politik sollte öfter uns befragen als ihre Experten“, sagt Jeremias Hefel, Landesschulsprecher für den berufsbildenden Bereich.

Zumindest die Schülervertreter haben klare Reformvorstellungen; sie stimmen zwar nicht immer überein, sind aber durchdacht, wie ein VN-Rundruf im Hinblick auf die Nationalratswahl zeigt. Maximilian Blassnig besucht das BG Dornbirn und ist AHS-Landesschulsprecher: „Ich finde, es sollte in Richtung einer ganztägigen Schule gehen. Dann könnte man den Unterricht anders gestalten und Lernphasen mit Musik, Sport und Freizeitaktivitäten abwechseln. Außerdem könnte man dann weggehen vom veralteten Frontalunterricht. Man könnte die Schüler mehr selbst arbeiten und einander helfen lassen.“ Dazu notwendig wären mehr Lehrer und damit auch ein höheres Bildungsbudget, ist sich Blassnig bewusst. Doch das müsse es dem Staat wert sein.

Der 17-Jährige ist im Übrigen ein Anhänger der Gemeinsamen Schule: „Mich regt der Streit darüber unheimlich auf.“ Dabei wäre eine Klärung seines Erachtens nötig, um ein passendes Lehrerdienstrecht schaffen zu können. Dass schon jetzt über ein Lehrerdienstrecht verhandelt werde, sei verkehrt: „Die Ansätze sind zwar gut, aber das bezieht sich auf das bestehende Schulsystem, und das ist veraltet.“

Für Jeremias Hefel ist eine Gemeinsame Schule „nur sehr schwer vorstellbar“: „Ich bin in eine Hauptschule gegangen und tue mich ziemlich leicht“, sagt der HTL- Bregenz-Schüler. „Aber was ist mit denen, die sich schwertun? Wie sollen Lehrer mit diesen Unterschieden fertig werden? Ich fürchte, dass eine Gruppe auf der Strecke bleiben würde.“

Der 18-Jährige hat stattdessen zwei andere Reformanliegen an die Politik: „Das Wichtigste ist auf jeden Fall, dass wir Schüler als Schulpartner mehr Mitspracherechte bekommen.“ So sollten sie laut Hefel über den Schulgemeinschaftsausschuss über die Bestellung oder Abbestellung von Direktoren und Lehrern mitentscheiden können.

Eine „extrem wichtige Forderung“ sei darüber hinaus, dass politische Bildung zu einem Unterrichtsfach gemacht werde: „Wir dürfen ab 16 wählen, bekommen von der Schule aber nicht mit, worum es geht und welches Programm die Parteien haben. Das müssen wir selber herausfinden. Viele werden damit beeinflussbar. Und das kann doch nicht im Interesse der Politik sein.“

Mehr Seminare anbieten

Michael Dreher ist Landesschulsprecher für die Berufsschulen. Was er von der Unterrichtsministerin verlangt? „Lehrer tun sich oft schwer, Inhalte so zu vermitteln, dass Schüler sie verstehen. Dadurch entsteht ein Keil und es kommt zu schlechten Noten“, erklärt der 23-jährige Bürokaufmann in spe: „Man sollte Lehrern mehr Seminare anbieten, damit sie neue Möglichkeiten kennenlernen.“ Unter dem Motto „Gemeinsam zum Ziel“ solle außerdem der Austausch zwischen Berufsschulen und Lehrbetrieben verstärkt werden – „damit das vermittelt wird, was wirklich gefragt ist“.

Als Schulpartner sollten wir mehr Mitspracherechte bekommen.

Jeremias Hefel
Landesschulsprecher (v. l. n. r.) Michael Dreher, Maximilian Blassnig und Jeremias Hefel. Foto: VLK
Landesschulsprecher (v. l. n. r.) Michael Dreher, Maximilian Blassnig und Jeremias Hefel. Foto: VLK