Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Lampedusa betrifft alle

Politik / 09.10.2013 • 21:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Italiener sollen mit dem Flüchtlingsdrama also allein fertig werden: Politiker aus anderen Ländern mögen ihre Betroffenheit bekunden oder sich – wie Kommissionspräsident Barroso gestern – auf Lampedusa ein Bild vor Ort machen, wie man so sagt; aber das war’s dann schon.

Wenn es um menschliches Leid geht, hört sich die europäische Solidarität auf: Da gilt das Prinzip, dass sich jenes EU-Land um die Flüchtlinge kümmern muss, in dem diese zuerst gelandet sind. Österreich ist da in einer besonderen Lage: Als Binnenland „darf“ es z. B. Afrikaner, die aus Italien kommen und am Brenner stehen, zurückweisen – zynisch formuliert „als Sache“, mit der Italien fertig werden muss.

Immerhin nimmt Österreich traditionell verhältnismäßig viele Asylwerber auf, die auf anderen Wegen daherkommen. Das mildert die Sache ab. Aber ist es genug? Nein. Zumal die Afrikaner, die über das Mittelmeer nach Europa drängen, ihr Leben aufs Spiel setzen und viele – wie vergangene Woche – wenige Meter vor dem Ziel ertrinken, ist das eine Kata­strophe, die ganz Europa etwas angeht. Kurzfristig muss den Menschen daher gemeinsam geholfen werden.

Und längerfristig wäre es natürlich am sinnvollsten, dafür zu sorgen, dass Menschen gar nicht flüchten müssen – so, wie es Innenministerin Johanna Mikl-Leitner am Dienstagabend in der „ZiB 2“ erklärt hat. Auf den Hinweis, dass Österreich diesbezüglich säumig ist, geriet sie dann aber ins Stottern. Aus gutem Grund: Kaum ein anderes Industrieland gibt so wenig für Entwicklungshilfe aus. Das ist eine Schande, an deren Beseitigung die nächste Regierung auch zu messen sein wird.

johannes.huber@vorarlbergernachrichten.at, 01/3 17 78 34-14

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