Todfeind in Syrien heißt nun Al-Kaida

Politik / 09.10.2013 • 21:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
In Maalula sind von fast 3000 Christen nur 40 übrig geblieben. Foto: RTS
In Maalula sind von fast 3000 Christen nur 40 übrig geblieben. Foto: RTS

Der Bürgerkrieg wurde zum Krieg gegen die Demokraten, Christen und Kurden.

Wien. (VN) Während die Welt auf das Unschädlichmachen der syrischen Chemiewaffen starrt, geht das blutige Ringen in dem Bürgerkriegsland unbeachtet weiter. Seine Vorzeichen haben sich allerdings radikal verändert. Bis in diesen Sommer hatte es sich vorwiegend um den Kampf eines Volkes gegen die letzte eindeutige Militärdiktatur im Nahen Osten gehandelt. Nun aber tobt ein „Krieg im Bürgerkrieg“ an konfessionell und vom Volkstum gezogenen Fronten.

Zunächst waren es zwei Orte, wo radikale sunnitische Muslime zum Vernichtungskampf gegen die bodenständigen Christen bzw. die syrische Kurdenminderheit angetreten sind. Die von Al-Kaida ferngesteuerte „Befreiungsfront für Kalamun“ besetzte die seit altersher christliche Bergstadt Maalula, wo von fast 3000 Christen nur 40 übrig geblieben sind – alle anderen wurden getötet, vertrieben oder zum islamischen Glauben gezwungen.

An der syrisch-türkischen Grenze haben in Azaz ebenfalls zwei Vorhutorganisationen des globalen Al-Kaida-Terrornetzes die Macht übernommen: Die von Anfang an Bin Laden und dann seinem Nachfolger as-Sawahiri ergebene Kampfgruppe „Islamischer Staat von Irak und Syrien“ sowie die ursprünglich durch syrische Muslimbrüder gegründete Al-Nusra. Diese „Unterstützungsfront für das syrische Volk“ hat sich aber inzwischen voll Al-Kaida in die Arme geworfen. Somit heißt der Todfeind für syrische Kurden, Demokraten und „Freie Offiziere“ nun Al-Kaida. Das könnte wenigstens einen Kompromiss zwischen der Alawiten-Diktatur und ihren säkular gesinnten Gegnern erleichtern, wenn im November wirklich eine Friedenskonferenz für Syrien zustande kommt. Bis dahin wird von den Islamisten erbittert weitergekämpft. Gegen Assad rührt sich hingegen fast gar nichts mehr.

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