Ein langsamer Abschied

Politik / 10.10.2013 • 21:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frank Stronach peilte bei der Nationalratswahl 20 bis 30 Prozent an. Geworden sind es 5,7 Prozent. Foto: APA
Frank Stronach peilte bei der Nationalratswahl 20 bis 30 Prozent an. Geworden sind es 5,7 Prozent. Foto: APA

Stronach zieht sich zurück. Seiner Partei droht das Ende, sagt sein Ex-Berater.

Wien. (VN-joh) Gut ein Jahr stand Frank Stronach mit ein paar anderen im Rampenlicht der österreichischen Politik. Anfangs hatte er diese aufmischen wollen. Von 20 bis 30 Prozent hatte er geträumt. Entsprechend groß war die Ernüchterung bei der Nationalratswahl; mit 5,7 Prozent musste er sich begnügen.

Damit wurde offensichtlich der Anfang vom Ende der kurzen Politkarriere eingeläutet: „Er hat selbst gesagt, er wird sich langsam zurückziehen“, teilte seine rechte Hand, die designierte Klubobfrau Kathrin Nachbaur, in einem Partei-„Newsletter“ mit; einen Zeithorizont nannte sie nicht, betonte aber, dass er sein Nationalratsmandat annehmen und „uns“ weiterhin „mit Rat und Tat zur Seite stehen“ werde.

Allerorten Probleme

„Jetzt wird abgewickelt“, meint der ehemalige Berater des Team Stronach, Rudolf Fußi. Tatsächlich herrscht Endzeitstimmung. Am deutlichsten ist das zuletzt in Vorarlberg geworden, wo der Geschäftsführer der Landesorganisation gekündigt wurde. Doch auch sonst sieht Fußi keine Zukunft: „Das Team Stronach ist nur noch von den Leuten gewählt worden, die Frank Stronach wollten. Jetzt ist er nicht mehr da.“ Nachbaur und Co. müssten die Partei ideologisch verorten, also ein Profil schaffen. Doch viele Möglichkeiten gebe es im bürgerlichen Spektrum neben FPÖ, ÖVP, NEOS und teils Grünen nicht mehr. Daher meint er: „Ich sehe kaum bis keine Perspektive.“

Wo die Partei außerhalb Wiens hör- und sichtbar ist, hat sie Probleme. So ist sie in drei Landtagen vertreten; doch in diesen Ländern (Kärnten, Salzburg, Niederösterreich) sind die Landes­obleute vergangene Woche federstrichartig abgesetzt worden. Und auch auf die Bundespartei kommt Ungemach zu: Frank Stronach hat insgesamt 23,1 Millionen Euro in sein Team gesteckt – nur etwas mehr als die Hälfte in Form von Spenden. Rund zehn Millionen Euro betrachtet er dagegen als Darlehen – das heißt, dass die Partei diese mit Fördermitteln, die aus dem Steuertopf kommen, zurückzahlen muss.

Fußi hat den Niedergang kommen sehen, wie er sagt. Seine PR-Agentur sei vom Team Stronach im Vorjahr zu einer Präsentation eingeladen worden. „Obwohl das politisch nicht meines war, war ich als Profi gerne dabei.“ Ein paar Monate war er dann auch für den mittlerweile 81-Jährigen und sein Team tätig. Heute sieht er eine lange Fehlerliste: „Die Partei wurde zu früh gegründet und der Klub nur geschaffen, damit er bei den TV-Duellen teilnehmen kann. Dort wurde aber klar, dass er von Politik keine Ahnung hat. Außerdem ist es nicht gelungen, auch nur halbwegs respektierte Persönlichkeiten ins Team zu holen. Alle haben abgewunken: ,Den kennen wir‘.“

Das größte Problem? Frank Stronach sei seit Jahrzehnten nur noch von Leuten umgeben, die ihm erklärten, er sei „der Beste“: „Irgendwann hat er angefangen, das zu glauben.“ Und nun habe ihn das Wahlergebnis umso mehr verwundert.

Die Zusammenarbeit zwischen Stronach und Fußi endete dem 35-Jährigen zufolge damit, dass er das Angebot ausgeschlagen hat, für den Nationalrat zu kandidieren.

Er hat selbst gesagt, er wird sich langsam zurückziehen.

Kathrin Nachbaur

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