Friedensnobelpreis für Giftgas-Inspektoren

Politik / 11.10.2013 • 21:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Seit der OPCW-Gründung 1997 wurden mehr als 5000 Inspektionen abgeschlossen und 58.000 Tonnen an Waffenbeständen vernichtet. Foto: EPA
Seit der OPCW-Gründung 1997 wurden mehr als 5000 Inspektionen abgeschlossen und 58.000 Tonnen an Waffenbeständen vernichtet. Foto: EPA

Organisation für Verbot von Chemiewaffen geehrt: Anerkennung für die Arbeit in Syrien.

Oslo. (VN-ebi, apa) Jahrelang verrichtete die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) ihre Arbeit ebenso zuverlässig wie unauffällig. Nach dem Giftgasangriff nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus stand sie im Sommer jedoch plötzlich im Rampenlicht. Gestern wurde die OPCW mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Sie bekomme die Auszeichnung „für ihren umfassenden Einsatz für die Vernichtung von Chemiewaffen“, begründete Komiteevorsitzender Thorbjørn Jagland die Entscheidung. Entwaffnung habe auch „in Alfred Nobels Willen eine wichtige Rolle“ gespielt. Und die jüngsten Ereignisse in Syrien würden beweisen, dass die Bemühungen um die Zerstörung solcher Waffen weiter verstärkt werden müssten.

OPCW-Generaldirektor

Ahmed Üzümcü reagierte erfreut auf die Auszeichnung, die am 10. Dezember offiziell überreicht wird und mit rund 900.000 Euro dotiert ist. Der Nobelpreis würdige den Einsatz der Organisation für den Weltfrieden, so Üzümcü. Diese war 1997 zur Umsetzung der Chemiewaffenkonvention gegründet worden. Seither wurden mehr als 5000 Inspektionen in 86 Ländern erfolgreich abgeschlossen und rund 58.000 Tonnen an deklarierten Waffenarsenalen vernichtet – etwa 80 Prozent der bekannten Bestände. Der Preis sei aber „auch eine Anerkennung für unsere Mitarbeiter, die jetzt in Syrien stationiert sind und sich in der Tat sehr mutig bemühen, ihr Mandat zu erfüllen“, so Üzümcü.

Der Bürgerkrieg in Syrien wütet bereits im dritten Jahr und hat mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet. Syrien war bislang kein Mitglied der Konvention, hat nun aber unter internationalem Druck nach dem Giftgasangriff vom 21. August die Aufnahme beantragt und sich zum Besitz chemischer Kampfstoffe bekannt. Am Montag soll der Beitritt offiziell vollzogen werden. Experten der OPCW und der UNO befinden sich bereits im Bürgerkriegsland und haben begonnen, rund 1000 Tonnen chemischer Waffen zu vernichten. Dies soll bis Mitte 2014 abgeschlossen sein.

Damit bleiben aber noch eine Reihe von Ländern, die der Konvention nicht angehören, darunter Nordkorea, Angola, Ägypten und der Südsudan. Israel und Burma haben die Konvention zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert.

Nobelpreis für die OPCW: Generaldirektor Ahmed Üzümcü. Foto: EPA
Nobelpreis für die OPCW: Generaldirektor Ahmed Üzümcü. Foto: EPA

Stichwort

Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW)

Die OPCW ist verantwortlich für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention, welche die Entwicklung, Produktion, Anschaffung, Ansammlung, Aufbewahrung, Weitergabe und Anwendung von chemischen Waffen verbietet. Sie trat 1997 in Kraft und wurde von 189 Staaten ratifiziert. Am Montag soll Syrien als 190. Staat dazukommen.

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