„Wie viele Menschen müssen noch sterben?“

Politik / 13.10.2013 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Überlebt: Ein Bub, der sich mit anderen Flüchtlingen auf einem zwischen Malta und Lampedusa gesunkenen Schiff befunden hatte. Foto: Reuters
Überlebt: Ein Bub, der sich mit anderen Flüchtlingen auf einem zwischen Malta und Lampedusa gesunkenen Schiff befunden hatte. Foto: Reuters

400 Flüchtlinge vor Malta und Italien ertrunken: Druck auf andere EU-Länder steigt.

Rom. Nach den jüngsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer mit mehr als 400 Toten wächst der Druck auf die Europäische Union.

Malta, das neben Italien am stärksten von der Flüchtlingskrise betroffen ist, rief die EU zum Handeln auf. „Bisher hören wir von der EU nur leere Worte“, sagte Ministerpräsident Joseph Muscat am Samstag in einem BBC-Interview. „Ich weiß nicht, wie viele Menschen noch sterben müssen, bevor etwas geschieht. Wie die Dinge im Moment stehen, machen wir unser eigenes Mittelmeer zum Friedhof.“

Bei einem Schiffsunglück zwischen Malta und Lampedusa waren am Freitag mindestens 35 Bootsflüchtlinge ums Leben gekommen, mehr als 200 konnten gerettet werden. Überlebende des havarierten Flüchtlingsboots berichteten der Zeitung „Malta Today“ (Sonntag), zwei Insassen seien getötet worden, als libysches Militär das Feuer auf das Boot eröffnet habe. Ein Militärschiff sei ihnen zuvor stundenlang gefolgt und habe den Kapitän zur Rückkehr aufgefordert. Schließlich hätten sie auf den Maschinenraum gefeuert. Eine Stellungnahme aus Libyen gab es dazu zunächst nicht. Das Schiff war in der Hafenstadt Suwara in See gestochen.

Unterdessen stieg die Zahl der Toten der Schiffstragödie, die sich in der Woche zuvor vor Lampedusa ereignet hatte, auf 360. Nach italienischen Angaben wurden am Wochenende weitere 22 Leichen aus dem Meer geborgen.

Palästinenser und Syrer

Am Freitag war zudem ein Flüchtlingsboot auf dem Weg nach Europa vor der Küste Ägyptens gesunken. Dabei starben 12 der rund 150 Menschen an Bord – überwiegend Palästinenser und Syrer.

Italien hat das Flüchtlingsproblem zu einem zentralen Anliegen erklärt, mit dem sich der EU-Gipfel am 24. und 25. Oktober befassen müsse.

Nach Ansicht von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sollten die anderen EU-Länder Italien stärker unterstützen. Kein anderes Land, außer vielleicht Malta, sei in einer ähnlichen Lage. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich in der Migrationsdebatte in Europa kaum etwas getan.

Papst Franziskus, der bereits Anfang Juli bei einem Besuch Lampedusas die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal von Migranten angeprangert hatte, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Herr erbarme Dich. Allzu oft sind wir durch unser angenehmes Leben geblendet und weigern uns, diejenigen wahrzunehmen, die vor unserer Haustüre sterben.“

Ein Umdenken in der europäischen Flüchtlingspolitik forderte auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch: „Wir dürfen Europa nicht als Festung ausbauen, in die keiner mehr hinein darf.“ Er hoffe, dass die Tragödie von Lampedusa zu einer Wende führe.

Dramatische Rettungsaktion vor Malta. Foto: Reuters
Dramatische Rettungsaktion vor Malta. Foto: Reuters

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