Wurde Maria ein Opfer von Organhändlern?

Politik / 20.10.2013 • 21:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Schicksal der blonden Maria bewegt die Griechen. Foto: reuters
Das Schicksal der blonden Maria bewegt die Griechen. Foto: reuters

Ein in Griechenland entdecktes Raub-Kind ist längst kein Einzelfall.

Athen. Immer weitere, gesamteuropäische Kreise zieht der in Griechenland zufällig aufgedeckte Kinderraub. Gleichzeitig wurden am Wochenende fast stündlich erschütternde, aber auch für das griechische Verwaltungssystem beschämende Einzelheiten bekannt.

Alles fing an mit einer Routinekontrolle der Polizei im Roma-Lager bei der mittelgriechischen Gemeinde Pharsala. Auf der Suche nach Waffen stießen die Polizisten auf ein blondes, blauäugiges Mädchen, das gar nicht in seine Umgebung passte. Beim Verhör erklärte die 39-jährige angebliche Mutter zunächst, dass „Maria mit der weißen Haut“ ihr eigenes Kind sei, dann gab sie es als Enkelkind, darauf als Frucht der Affäre mit einem Kanadier aus. Schließlich behauptete sie, das Mädchen von einer Bulgarin erhalten zu haben.

Keine Meldeämter

Das Kind verfügte über auf den ersten Blick einwandfreie Papiere, hatte sogar eine eigene Steuernummer. Doch zeigte sich, dass die Romafrau und ihr Mann – die Namen werden von den Behörden noch zurückgehalten – 16 Kinder als ihre eigenen angemeldet hatten. Nach den sichergestellten Unterlagen hätte die Mutter im Zeitraum von zehn Monaten vierzehn Sprösslinge in die Welt gesetzt. Solchen Betrug erleichtert die Ausstellung griechischer Geburtsurkunden allein aufgrund der Angaben der sich als solche präsentierenden „Mutter“ und von zwei Zeugen. Das völlige Fehlen von Meldeämtern gibt auch keine Handhabe für Feststellungen, wo diese „Familie“ wirklich lebt.

An gefälschten Papieren fanden sich bei dem Roma-Paar zwei völlig verschiedene Familienausweise. Der Stempel, mit dem diese doppelte Identität „erzeugt“ worden war, konnte später auch entdeckt werden. Die Polizisten kamen aus dem Staunen nicht heraus, wie ungebildete, nicht einmal des Lesens und Schreibens kundige Leute so raffiniert vorgehen konnten. Schon da kam der erste Verdacht auf, einem weit verzweigten Netz von Kinderräubern und –händlern auf der Spur zu sein. In diese Richtung wies dann die Erkenntnis, dass von zwölf der insgesamt 16 registrierten Kinder jede Spur fehlte. Die griechischen Behörden gehen inzwischen davon aus, dass es sich nicht um vorgebliche Nachkommen zum Zweck des Erschleichens von Kinderbeihilfen handelt. Der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit sprach gestern im TV-Kanal Skai die Befürchtung aus, dass die verschollenen Kinder zur Organentnahme getötet und zerstückelt wurden.

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