Tony Walser

Kommentar

Tony Walser

NEOS: Reicht der Strolz-Hype aus?

Politik / 21.02.2014 • 22:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Farbe nach Pink, in der Ausrichtung schwarz-grün-liberal. Und als Dresscode Jeans mit offenem Hemd. Damit scheinen die NEOS als die „Neuen der Mitte“ beim wählenden Volk anzukommen. Vor allem im Teich der schwarzen Kernwähler scheint Magenta-Pink im Vorfeld der Landtagswahlen im September offenbar besonders stark nachgefragt, wie das Nationalratswahlergebnis gezeigt hat.

Mit dem Klostertaler Strahle- und Frontmann Matthias Strolz („Wir sind keine neoliberalen Säcke“) als Kapitän, dürfen sich die NEOS auch hierzulande vielfach über volle Fangnetze freuen. Wenn auch die Vorwahl bei der neuen Gruppierung noch nicht abgeschlossen ist – eine Frage darf im Hinblick auf die wohlorganisierte und professionell anmutende Truppe der Pinken erlaubt sein: Wird der Hype um den wortgewandten Klostertaler Strolz für den Einzug in den Vorarlberger Landtag in Bregenz reichen? Von Outdoortrainer Chris Alge, den die Gruppierung quasi als „Weihnachtsgeschenk in Pink“ im Dezember des Vorjahres als Landessprecher aus dem Hut gezaubert hatte, vermisst man nämlich bis dato konkrete(re) Botschaften. Alge, der für viele nur deshalb die Speerspitze bilden darf, weil die NEOS auf der Suche nach einem Promi aus der hiesigen Volkspartei Schiffbruch erlitten hatten, hat bisher eigentlich nur verlautbart, dass er das Vertrauen der Menschen in die Politik durch Transparenz zurückgewinnen will. Und dass er so wie sein Mentor aus Wald am Arlberg für eine „neue Politik mit mehr Eigenverantwortung“ steht.

Daneben hat der 50-jährige Alge, der sich vor Jahren noch als Wahlunterstützer des Herbert Sausgruber lautstark ins Zeug geworfen hatte, bislang wenig politisches Profil an den Tag gelegt. Man darf darüber hinaus gespannt sein, wie die NEOS, sollten sie die angepeilten zehn Prozent der Wählerstimmen in Vorarlberg ergattern können, Ziele und Vorhaben im Landesparlament in die Tat umsetzen wollen. Sie werden nämlich trotz drohender Verluste von Volkspartei und Freiheitlichen auch nach ihrem Einzug im Landtag lediglich eine Minderheit mit einer Handvoll Volksvertretern bilden.

Ebenso gespannt darf man sein, wie die „neuen Bürgerlichen“ ihren Wahlkampf finanzieren werden. Potenzielle Großspender aus der Wirtschaft zögern nämlich vor dem Hintergrund, dass lediglich Parteispenden bis 5000 Euro auf Wunsch anonym bleiben dürfen. Beträge über dieser Grenze müssen nämlich gemäß eines Parteibeschlusses auf der Website der NEOS veröffentlicht werden. Da wird es schwer sein, an das Wahlergebnis vom vergangenen September auch nur annähernd heranzukommen: Damals erreichten sie 13,2 Prozent im Land.

tony.walser@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-223