„Demokratie ist nicht das erste Ziel“

Politik / 25.05.2014 • 23:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ägypten sei auf dem richtigen Weg, so Abouleish. Foto: SEKEM
Ägypten sei auf dem richtigen Weg, so Abouleish. Foto: SEKEM

Ägypten wählt: Alternativer Nobelpreisträger betont, dass Sicherheit nun Priorität hat.

Graz. (VN) Die Ägypter wählen heute und morgen zum zweiten Mal seit dem Sturz von Staatschef Husni Mubarak einen Präsidenten. 2012 war das Ergebnis knapp. Dieses Jahr scheint es deutlich auszufallen. Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi wird den Umfragen zufolge mit haushoher Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt. Regierungsvertreter und Experten im Westen können nur schwer nachvollziehen, weshalb sich die Ägypter erneut dem Diktat des Militärs unterwerfen wollen.

Die häufigste Antwort, die die Bewohner am Nil darauf geben, ist, dass sie das Chaos satt haben. „Was wir heute brauchen, um zu Frieden zu kommen, ist Sicherheit“, betont auch der alternative Nobelpreisträger Ibrahim Abouleish im VN-Gespräch. „Wir Ägypter haben erlebt, dass der arabische Frühling kein Frühling, sondern eine Katastrophe war. Das Land hat sich damit in ein riesiges Chaos gestürzt“, so der 77-Jährige.

Beide Kandidaten, Al-Sisi und der Linkspolitiker Hamdien Sabahi, seien in der Lage, Ägypten wieder auf den richtigen Weg zu bringen, glaubt Abouleish.

Weit abgeschlagen

Sabahi hatte bei den Wahlen 2012 nur den dritten Platz belegt. Auch in diesem Jahr wird er Umfragen zufolge weit abgeschlagen hinter dem Favoriten Al-Sisi landen. Dieser hatte 2013 als Militärchef den Muslimbruder und Ex-Präsidenten Mohammed Mursi nach den Massenprotesten entmachtet.

Mit dem Schritt Al-Sisis „gegen die militanten Islamisten“ habe der demokratische Prozess in Ägypten aber bereits begonnen, ist Abouleish überzeugt. Besonders trage auch die neue Verfassung, die die Ägypter bei einem Referendum im Jänner mit großer Mehrheit annahmen, dazu bei.

Langes Warten auf Demokratie

So hat das ägyptische Militär den aktuellen Machtkampf für sich entschieden. Ihre Kritiker wurden in den vergangenen Monaten durch ein neues Demonstrationsgesetz und andere Einschüchterungsmaßnahmen mundtot gemacht. Abouleish bleibt jedoch optimistisch, schließlich sorge die neue Verfassung künftig für absolute Meinungsfreiheit.

Was die Menschen nun aber am dringendsten bräuchten, sei Sicherheit, wiederholt er. Es werde daher noch dauern, „bis wir eine richtige Demokratie aufbauen können“, fügt er hinzu. Natürlich sei sie das Ziel: „Die Voraussetzung dafür ist es jedoch, den Frieden zuerst wieder herzustellen.“

„Bildung ist der Schlüssel“

Ibrahim Abouleish selbst wollte sich aber noch nie politisch engagieren und das hat er auch heute nicht mehr vor. Dennoch versucht er mit seiner prämierten Initiative Sekem die Probleme Ägyptens wenigstens zum Teil zu lösen. Abouleish begann 1977 Wüste bio-dynamisch zu kultivieren und baute so eine Landwirtschaft auf, die heute über 2000 Arbeitsplätze schafft. Ein Teil des Profits fließt in den Aufbau von Schulen und einer Universität. Denn Ägypten selbst habe kein Geld dafür, da es den Großteil seines Einkommens für das Militär verbrauche. „Das hat das Land arm gemacht.“ Schließlich seien Bildung und Aufklärung der Schlüssel zu jeder positiven Entwicklung in Ägypten.

Die Voraussetzung ist es, den Frieden zuerst wieder herzustellen.

Ibrahim Abouleish