„Bei der EU-Wahl wusste niemand mehr, wofür wir überhaupt stehen“

Politik / 01.06.2014 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Bei der EU-Wahl wusste niemand mehr, wofür wir überhaupt stehen“

Das BZÖ verordnet sich eine Auszeit. Auch bei der Landtagswahl in Vorarlberg wird es fehlen.

Wien. (VN-joh) In den letzten sechs Jahren habe das BZÖ bei 20 Wahlen Verluste erlitten oder „null Prozent erreicht, weil wir zu feige waren, überhaupt anzutreten“, redet Bundesparteichef Gerald Grosz im Gespräch mit den VN erst gar nicht lange um den heißen Brei herum. Bei der EU-Wahl setzte es nun einen weiteren Tiefschlag für das „Bündnis Zukunft Österreich“: 0,5 Prozent lautete das bescheidene Ergebnis. Damit gibt es kein Mandat mehr im Europäischen Parlament. Und nachdem man bereits im September 2013 aus dem Nationalrat geflogen war, zog Grosz die Notbremse: Über den Sommer will er mit den verbliebenen Mitstreitern darüber diskutieren, ob es noch einen Sinn hat, weiterzumachen. Und wenn die Antwort Ja lauten sollte, wie man das anstellen könnte.

„Beschissen gekocht“

Weil die Vorarlberger Landtagswahl Ende September mitten in diesen Prozess fällt, wird das BZÖ dort nicht antreten: „Ich möchte niemandem die Hoffnung nehmen, aber das halte ich für unmöglich. In dem Zustand, in dem wir uns derzeit befinden, können wir keinem Wähler gegenübertreten. Das ist wie in einem Wirtshaus: Wenn du sechs Jahre beschissen gekocht hast, kannst du auch nicht von heute auf morgen von vorne beginnen und glauben, die Leute rennen dir Türe ein. Das dauert.“

Haiders Tochter enttäuschte

Der 37-jährige Grazer, der in den 2000ern als Pressesprecher des damaligen Sozialministers Herbert Haupt (FPÖ/BZÖ) auf dem politischen Parkett losgelegt hat, ist in seiner Analyse erbarmungslos: Parteigründer Jörg Haider habe „kraft seiner Person alle inhaltlichen und personellen Mängel exzellent übertüncht: Er war die Marke.“ Nach seinem Unfalltod im Oktober 2008 habe man sich zunächst allerdings damit begnügt, „ein Jörg-Haider-Anbetungsverein“ zu sein: „Das war natürlich zu wenig.“

Josef Bucher, Bundesparteichef von 2008 bis 2013, hat laut Grosz wiederum versucht, dem BZÖ einen Inhalt zu geben und es „bürgerlich-liberal“ zu positionieren. Erfolgreich war er damit allerdings nicht. Und im Hinblick auf die EU-Wahl habe er, Grosz, nun noch einmal geglaubt, auf Bewährtes zurückgreifen zu müssen, indem er Jörg Haiders Tochter Ulrike Haider-Quercia als Spitzenkandidatin engagierte. Sie sollte freilich schon nach wenigen Tagen wieder zurücktreten. Was bleibt, ist Grosz’ Erkenntnis: „Ich habe den falschen Weg um ein halbes Jahr prolongiert.“

3000 Mitgliedern verpflichtet

Das BZÖ sei zuletzt allzu beliebig gewesen: „Ein bisschen links, ein bisschen Mitte, ein bisschen rechts. Keiner, bis auf die 13.000, die uns aus Nostalgiegründen (bei der EU-Wahl) noch gewählt haben, hat gewusst, wofür wir stehen.“ Ob es da noch eine Hoffnung gibt? Grosz will das mit seinen Parteifreunden prüfen: Das sei ein „offener Prozess“, den man nur starte, weil die 3000 Mitglieder, die man noch habe, ansonsten parteipolitisch gesehen heimatlos werden würden: „Die Motivation ist also eindeutig und klar“, so Grosz.

Jörg Haider hat alle inhaltlichen und personellen Mängel exzellent übertüncht: Er war die Marke.

Gerald Grosz, BZÖ-Bundeschef

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