Türkisch als Maturafach: Grundsätzlich ja, aber . . .

Politik / 11.06.2014 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Türkisch-Unterricht könnte an österreichischen Schulen womöglich bald bis hin zur Maturareife führen. Foto: dpa
Türkisch-Unterricht könnte an österreichischen Schulen womöglich bald bis hin zur Maturareife führen. Foto: dpa

SOS Mitmensch: Viele Direktoren finden Projekt gut. In Vorarlberg kritischere Haltung.

Wien, Bregenz. (VN-hk) Soll es Türkisch als Maturafach an den heimischen Gymnasien geben? Diese Frage richtete die Organisation SOS-Mitmensch an 50 AHS-Direktoren. Die Antwort fiel überraschend klar aus: 36 der Befragten plädierten demnach für die Einführung von Türkisch als Maturafach. Nach Bundesländern betrachtet gab es nur in Kärnten keine Mehrheit für eine Türkisch-Matura, drei Direktoren sind dafür, drei dagegen.

Patt in Kärnten

Die meisten Direktoren rechnen bei einer Erweiterung des Fremdsprachenlehrplans mit einem positiven Effekt für die Grammatik und den Wortschatz der Jugendlichen. Außerdem sei die gute Beherrschung der Muttersprache Voraussetzung für das Erlernen weiterer Sprachen. Eine Türkisch-Matura schaffe auch einen Anreiz zu höherer Bildung. Als Gegenargumente wurden die zu geringe Bedeutung von Türkisch genannt sowie die Schwierigkeit, eine neue Sprache in der Organisationsstruktur von Schulen zu verankern. Nur drei Direktoren befürchteten eine Abkapselung von Schülern.

Verschiedene Reaktionen

In Vorarlberg reicht die Haltung der AHS-Schulleiter von Ablehnung über zurück­haltende Zustimmung bis hin zu hundertprozentiger Unterstützung für den Vorschlag. Zu letzteren gehört Reinhard Sepp vom BRG/BORG Schoren Dornbirn. „Ich bin absolut für Türkisch als Maturafach. Es gibt doch überhaupt nichts, was dagegen spricht. Wir bieten an unserer Schule ja bereits Russisch, Spanisch, Italienisch und sogar Chinesisch an.“ Sepp hätte auch nichts dagegen, Türkisch als zweite lebende Fremd­sprache anzubieten. „Ich befürchte nur, dass wir dazu nicht die notwendigen Anmeldungen bekommen würden.“
Als Gegner einer Türkischmatura outete sich gegenüber dem ORF Vorarlberg Georg Konzett, Schulleiter am BG Feldkirch Schillerstraße. Laut Konzett würde dies zu einer „Ghettoisierung statt einer Integration“ führen. Er fände es schade, wenn türkischstämmige Schüler nur noch Türkisch wählen würden und nicht eine der anderen angebotenen lebenden Fremdsprachen.

Der Nutzen

Thomas Rothmund vom BORG Götzis äußert zwar grundsätzliche Offenheit zum Thema Türkisch als Maturafach. Aber: „Die Einführung könnte erst mit einer Vorlaufzeit von fünf Jahren erfolgen. Schließlich müsste Türkisch in das Konzept der standardisierten Reifeprüfung eingearbeitet werden. Mündlich wäre das vielleicht schon in drei bis vier Jahren vorstellbar.“
Keinerlei wirtschaftliche ­Notwendigkeit sieht Helmut Abl, Direktor am BG Bludenz, für eine Etablierung von Türkisch als Maturafach. „Da gibt es andere, wichtigere Fächer. Russisch, Spanisch, Italienisch und Französisch haben für die Schüler zweifellos einen viel größeren wirtschaftlichen Nutzen. Abgesehen davon, dass wir hier ohnehin schon genügend Menschen haben, die Türkisch sprechen und nützen können.“ Eine grundsätzliche Ablehnung habe er jedoch nicht.

Es gibt für die Reifeprüfung Fächer mit größerem wirtschaftlichem Nutzen als Türkisch.

Helmut Abl

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