,,Option“ des 3. Irak-Krieges

Politik / 15.06.2014 • 22:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Mit dem Ziel der Bildung eines islamischen Gottesstaates bis zum Mittelmeer überziehen die Neo-Taliban der ISIS den Irak gegenwärtig mit Terror-Mord und Verwüstung. Dem amerikanischen Präsidenten fällt da nichts Besseres ein, als sich alle Optionen offen zu halten, den 3. Irak-Krieg inklusive. Worauf der NATO-Generalsekretär orakelt, dass die schlimme Eskalation zum „Bündnisfall“, also dem militärischen Eingreifen der NATO-Armeen führen könnte. Womit wir bei einem Paradebeispiel eines aberwitzigen politischen Versagens wären.

Denn angefangen hat alles ja mit dem Lug und Trug der in Washington herbeifantasierten „Massenvernichtungswaffen“ eines irakischen Diktators, der seinen Vielvölkerstaat mit brachialer Gewalt zusammen- und die Steinzeitterroristen der Taliban jenseits der Grenzen hielt. Die Folgen des von amerikanischen Haudrauf-Politikern betriebenen Unrechtskrieges mit Hunderttausenden von Toten und einem schließlich aufgehängten Diktator sind jetzt im Irak zu besichtigen: Viel schlimmere Verhältnisse als in Vor-Kriegszeiten.

Nämlich: Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden ethnischen Gruppen. Eine hilflos agierende und hochkorrupte pseudodemokratische Regierung in Bagdad. Drohende komplette Machtübernahme der Mord- und Terrorhorden der ISIS-Taliban im Irak und Syrien. Bedrohung der Türkei und Jordaniens. Viele neue Tote und bereits mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Und wer finanziert den Vernichtungsfeldzug der ISIS? Die Fußball-Weltmeisterschaften kaufenden Scheichs in Katar und die „engen Freunde und Verbündeten“ der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien.

Da kann man glatt zu dem Schluss kommen: Kurzsichtiger und verantwortungsloser kann man Außen- und Sicherheitspolitik wohl kaum betreiben. Das geht vor allem auf das Konto des republikanischen Präsidenten George W. Bush. Seinem Nachfolger, dem demokratischen Friedensnobelpreisträger Barack Obama, fällt auch nichts Besseres ein als mit dem militärischen Feuer zu spielen. Wie im Ukraine-Konflikt.

Schon Albert Einstein hatte mit seiner Beobachtung recht: Dummheit besteht darin, einen Fehler immer wieder zu machen und dann ein anderes Ergebnis zu erwarten. Womit wir wieder beim amerikanischen Militärgerassel wären. Einem Abenteuer, bei dem die europäischen Freunde und Verbündeten mit ins Boot gezogen werden sollen. Und da wäre eine weitere Weisheit zu beachten: Die größte Dummheit ist es, Dummheiten zu wiederholen. Aber wissen das auch die demnächst womöglich zum Schießen und Sterben eingeladenen Freunde und Verbündeten?

Peter W. Schroeder, Washington

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.