Irak-Krise: USA schließt Bund mit dem Iran aus

Politik / 16.06.2014 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Irak: Vorrücken der
ISIL-Miliz noch immer nicht gestoppt.

Bagdad. Die USA haben eine militärische Zusammenarbeit mit dem Iran gegen die sunnitischen Dschihadisten im Irak ausgeschlossen. Das Weiße Haus, das Pentagon und das US-Außenministerium teilten am Montag übereinstimmend mit, dass es keine Pläne gebe, sich über solch ein Vorgehen mit Teheran abzustimmen. „Wir sprechen nicht darüber, militärische Handlungen im Irak mit dem Iran zu koordinieren“, sagte die Sprecherin im US-Außenamt, Jen Psaki. Stattdessen seien ähnliche Gespräche möglich, wie Washington und Teheran sie zuvor mit Blick auf Afghanistan geführt hätten. US-Außenminister John Kerry hatte zuvor eine militärische Zusammenarbeit mit dem Iran für möglich gehalten.

Gefechte vor Bagdad

Die Gefechte zwischen ISIL und der irakischen Armee dauerten gestern an. Die Sicherheitskräfte beharrten gestern zwar darauf, weiter die Kontrolle über die schiitische Enklave in der mehrheitlich sunnitischen Provinz Ninive zu halten. Doch Einwohner berichteten, Rebellen hätten Teile der Stadt in ihre Gewalt gebracht. Die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) hat vergangene Woche Teile des Iraks eingenommen. Experten schätzen ihre Stärke auf rund 10.000 Mann. Die nominell weitaus stärkere irakische Armee startete nach eigenen Angaben am Wochenende eine erfolgreiche Gegenoffensive. Ziel ist es, mit kurdischen Peshmerga-Truppen und Tausenden Freiwilligen die nördliche Millionenmetropole Mossul zurückzuerobern. Die jordanische Armee soll seine Truppenstärke an der Grenze zum Irak verdoppelt haben. Die Soldaten stünden unter „hoher Alarmbereitschaft“, heißt es aus Sicherheitskreisen in Amman.

Die von Schiiten dominierten Regierungen im Irak und Iran sehen die sunnitischen ISIL-Kämpfer, die einen streng muslimischen Gottesstaat errichten wollen, als hochgefährliche Gegner an – ebenso wie die USA, die den Zerfall des Iraks befürchten.

Den irakischen Truppen fielen nach Informationen des „Guardian“ mehr als 160 Speichersticks der Islamistenmiliz mit brisanten Informationen in die Hände: Namen und Kriegsnamen aller ausländischen ISIL-Kämpfer, von ISIL-Anführern, Codewörter, die Initialen von Informanten in Ministerien sowie die kompletten Finanzdaten der Organisation.

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