Von einer „Null“ zum Nobelpreis

Politik / 17.06.2014 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Starb am 21. Juni 1914: Bertha von Suttner. Foto: DPA
Starb am 21. Juni 1914: Bertha von Suttner. Foto: DPA

100. Todestag von Bertha von Suttner: Österreich gedenkt ihrer und des Ersten Weltkriegs.

Wien. Unermüdlich warnte Österreichs Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner angesichts der sich häufenden Krisen Anfang des 20. Jahrhunderts vor einem großen Krieg. Als der Erste Weltkrieg dann tatsächlich ausbrach, war ihre Stimme jedoch für immer verstimmt: Sie starb eine Woche vor den Schüssen von Sarajevo am 21. Juni 1914 in Wien.

Zu ihrer Zeit wurde sie vor allem in Übersee als Kämpfern für den Frieden gewürdigt. Die bescheidene Bedeutung, die ihr in Österreich zuteil wurde, bringt etwa die Todesnachricht in der „Vorarlberger Landes-Zeitung“ zum Ausdruck; am 22. Juni 1914 schrieb sie auf der letzten Seite nur: „Gestern Vormittag ist die Schriftstellerin und Trägerin des Nobelpreises für Friedensbestrebungen, Freifrau Berta von Suttner gestorben. Sie erreichte ein Alter von 72 Jahren.“

Heute ist die Pazifistin jedem Kind bekannt. Ihr Porträt zierte einst den 1000-Schilling-Schein und ist nun auf der 2-Euro-Münze zu sehen. Österreich ist stolz auf sie. Anlässlich ihres 100. Todestages gibt es heute Vormittag in der Wiener Nationalbibliothek einen Staatsakt. Bundespräsident Heinz Fischer, der dazu einlädt, wird im Gedenken den Bogen zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs spannen. Der Titel der größten entsprechenden Veranstaltung hierzulande wird denn auch lauten: „Frieden und Krieg.“

Sekretärin von Alfred Nobel

Als Gräfin Kinsky 1843 in Prag geboren, erlebte die spätere Bertha von Suttner eine harte Kindheit und Jugend. Nach dem Tod ihres Vaters begleitete sie ihre Mutter an die Spieltische der Kasinos im deutschen Wiesbaden. Karrierepläne wie der, Opernsängern zu werden, scheiterten ebenso wie Liebesbeziehungen. Sie selbst schrieb später einmal über sich selbst: „Die jugendliche Bertha war doch eine rechte Null.“

Was sie aber auszeichnete, waren Bildung und Selbstbewusstsein. Als 32-Jährige wurde sie in Paris die Sekretärin des Chemikers und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896). Der kluge Mann erklärte ihr seine Absichten: Bessere Waffen sollen vor einem Krieg abschrecken. Erstmals wird sie damit mit ihrem späteren Lebensthema konfrontiert. Die Zusammenarbeit mit Nobel dauerte ganze acht Tage. Was blieb, war aber eine lebenslange Brieffreundschaft.

Bertha heiratet schließlich Arthur von Suttner und bewohnt das aus seiner Familie stammende Schloss Harmannsdorf bei Wien. Dort schreibt sie den Roman, der 1889 mit seinen 37 Auflagen bis 1905 ihren Weltruhm begründet: „Die Waffen nieder!“, das Dokument ihrer Einsicht, dass angesichts der neuen Tötungsinstrumente keine Seite mehr wirklich einen Krieg gewinnen kann; sondern dass es nur „Vernichtung auf beiden Seiten geben kann“. Umjubelt wird sie speziell in den USA, wohin sie Vortragsreisen führten.

Als „Friedensbertha“ belächelt

1905 erhält Bertha von Suttner als erste Frau den Friedensnobelpreis, gestiftet von Alfred Nobel. Doch auch diese Auszeichnung verschafft der im deutschsprachigen Raum als „Friedensbertha“ teils belächelten Frau in den auf Krieg orientierten Kreisen nicht die entscheidende Durchschlagskraft. Keine sechs Wochen nach ihrem Tod brach der Erste Weltkrieg aus.

Die jugendliche Bertha war doch eine rechte Null.

Bertha von Suttner
Ihr Porträt zierte einst die 1000-Schilling-Note ... Foto: VN
Ihr Porträt zierte einst die 1000-Schilling-Note … Foto: VN
... und ist heute auf der 2-Euro-Münze zu sehen. Foto: MÜNZE Ö.
… und ist heute auf der 2-Euro-Münze zu sehen. Foto: MÜNZE Ö.

Buchtipp: „Bertha von Suttner. Kämpferin für den Frieden.“ Von Brigitte Hamann, Wien 2013.

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