Doppelt und dreifach belastet

Politik / 18.06.2014 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Doppelt und dreifach belastet

Bürgerinitiative hilft, die persönliche Steuer- und Abgabenleistung zu ermitteln.

Wien. (VN-joh) Alle reden über die Steuer- und Abgabenbelastung, doch kaum einer weiß, wie viel er selbst zahlt: Während sich Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge noch durch einen Blick auf den Gehaltszettel ermitteln lassen, wird‘s bei den „indirekten Steuern“ schon schwerer: Wer einkauft, zahlt Mehrwertsteuer. Wer tankt, zusätzlich die Mineralölsteuer. Wer ein Konto hat, trägt zum Kapitalertragsteuer-Aufkommen bei. Und so weiter und so fort. Die Bürgerinitiative „Respekt.net“ will nun Transparenz schaffen: Auf der Website www.steuerzahlen.at kann jeder Österreicher ermitteln, wie viel er wirklich an Staat und Sozialversicherungsträger abliefert. „Das gibt Zündstoff für die Steuerdiskussion“, hoffen die Initiatoren Martin Winkler und Christian Köck.

In den ersten 24 Stunden nach Freischaltung des Rechners haben sich mehr als 4500 Bürger schlau gemacht. „Das übertrifft unsere kühnsten Erwartungen und ist ein Grund zum Jubeln“, heißt es bei Respekt.net. Im Laufe des Jahres hofft man dort die Basis für das schaffen zu können, was das Finanzministerium nicht zusammenbringt: eine Gesamtsteuerstatistik, die eine Hochrechnung auf ganz Österreich ermöglicht.

Wie groß die Belastung durch indirekte Steuern ist, machen Beispiele klar, die Respekt.net erstellt hat: Karl P. ist Vorarbeiter bei einer Reinigungsfirma und verdient 21.000 Euro brutto pro Jahr. Er hat eine kleine Wohnung und ein Auto, raucht eine halbe Packung Zigaretten täglich und konsumiert eine Kiste Bier wöchentlich. Von den 21.000 Euro gehen 1132 Euro über die Lohnsteuer direkt ans den Fiskus; weitere 3554 gehen an die Kranken- und die Pensionsversicherung; mit 5334 der größte Belastungsbrocken sind im Falle des Karl P. jedoch die Konsumsteuern, vor allem also die Mehrwertsteuer.

Mit steigendem Einkommen verschiebt sich die Verteilung. Andrea L., 32-jährige Controllerin, verdient 49.000 Euro. Gut die Hälfte davon liefert sie ab – 6517 Euro in Form von Konsumsteuern, 8784 als Sozialversicherungsbeiträge und immerhin 9359 als Lohnsteuer.

Mehr als die Hälfte abzuliefern

Komplizierter wird die Sache bei Richard U., einem leitenden Beamten, der als solcher 72.800 Euro verdient und darüber hinaus noch Einkünfte aus Vermietung hat. Über die Jahre hat er sich mit 356.000 Euro außerdem ein schönes Nettovermögen angespart. Bei ihm kommen also viele verschiedene Steuern zusammen, von einer stattlichen Kapitalertragsteuer bis hin zu einer Grundsteuer in Höhe von 260 Euro. In Summe muss er mit 54,4 Prozent mehr als die Hälfte seiner Einkünfte abliefern.

Nur 31,4 Prozent macht die Belastungsquote dagegen bei einem Investor aus: Josef S. hat seine Firma verkauft und sich an mehreren Unternehmen beteiligt. An Dividenden, Finanzerträgen und Stiftungsausschüttungen verdient er rund sechs Millionen Euro im Jahr. Er lebt in Frankreich und Zürich, unterstützt auch über Stiftungen Vereine. Insgesamt führt er 1,9 Millionen Euro ab – davon 316.535 Euro an Konsumsteuern und 9340 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen.

Die Erhebung ergibt Zündstoff für die Steuerdiskussion.

Martin Winkler

Auf www.steuerzahlen.at ist es möglich, die persönliche Steuer- und Abgabenleistung zu ermitteln.

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