Verfeindete Gruppen rücken zusammen

Politik / 24.06.2014 • 22:45 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Irak: Bereitschaft zu Regierung der nationalen Einheit.

Bagdad. Angesichts des Vormarsches der ISIL-Terroristen im Irak wollen die verfeindeten Schiiten, Sunniten und Kurden nun doch rasch eine gemeinsame Regierung bilden. Das Parlament werde kommenden Dienstag zusammentreten, sagte US-Außenminister John Kerry dem TV-Sender ABC nach einem Besuch in den kurdischen Autonomiegebieten im Nord­irak. Dort hatte er die Kurden auch davon abbringen wollen, sich vom irakischen Staatsgebiet abzuspalten und einen eigenen Staat zu gründen.

Existenzielle Bedrohung

Kerry hatte zuvor während eines überraschenden Besuches in Bagdad die politische Elite des Landes unter Verweis auf den Vormarsch der ISIL zur Eile gedrängt: „Der Irak steht vor einer existenziellen Bedrohung, und die irakischen Führer müssen dieser Bedrohung mit der gebotenen Eile begegnen“, sagte Kerry. Die Bildung einer solchen Regierung sei derzeit die größte Herausforderung des Landes, fügte Kerry gestern in der kurdischen Hauptstadt Erbil hinzu.

Mehr als Tausend Tote

ISIL-Extremisten haben nach Angaben der Vereinten Nationen allein im Juni mindestens 1075 Menschen getötet. Die weitaus meisten waren Zivilisten. Allein in den drei nördlichen und westlichen Provinzen Ninive, Diyala und Salaheddin seien mindestens 757 Zivilisten umgebracht worden, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, in Genf.

Laut Medienberichten sollen mutmaßliche ISIL-Kämpfer nun auch die größte irakische Ölraffinerie in Baidschi vollständig eingenommen haben. Der rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Ort ist strategisch bedeutend. Dort steht auch ein Kraftwerk, von dem aus Bagdad mit Strom versorgt wird. ISIL stet für „Islamischer Staat im Irak und in der Levante“.

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