Geteiltes Land in Europa

Politik / 29.06.2014 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Seit 40 Jahren teilt ein Stacheldrahtzaun Zypern: UN-Friedenstruppen, auch aus Österreich, stehen zwischen den Lagern. Foto: Reuters
Seit 40 Jahren teilt ein Stacheldrahtzaun Zypern: UN-Friedenstruppen, auch aus Österreich, stehen zwischen den Lagern. Foto: Reuters

Zypern: Nach genau 40 Jahren wächst die Bereitschaft zur Wiedervereinigung.

Wien. (VN) „Die Mehrheit der Zyperngriechen und -türken befürworten und unterstützen meiner Meinung nach eine endgültige und dauerhafte Lösung, die der gesamten Bevölkerung Frieden und Wohlstand sichert.“ Das bekräftigte Zyperns neuer Botschafter, Marios Ieronymides, auf der Konferenz „40 Years of a Divided Cyprus“ im Juridicum der Universität Wien. Dort kamen beide Seiten des Zypernkonflikts und namhafte Völkerrechtler zu Wort.

Die Republik Zypern, seit zehn Jahren Mitglied der EU, ist das letzte zweigeteilte Land Europas. Quer über die Insel ziehen sich eine stacheldrahtverhaute „Zonengrenze“. Eine Teilung, die in diesem Sommer als durch die türkische Invasion vollendete Tatsache 40, in ihren Anfängen sogar schon 50 Jahre alt wird: Bereits 1964 sahen sich die Zyperntürken in ihren Stadtvierteln und ländlichen Enklaven isoliert, beschützt von UN-Friedenstruppen. Bei ihnen spielt das österreichische Bundesheer von Anfang an eine wichtige Rolle.

Erstmals keimen nun freilich konkrete Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung. Eine griechische Vierfünftelmehrheit und eine türkische Minorität zeigen sich bereit, zusammenzuwachsen. Die orthodoxe Kirche, lang ein Hort nationalbewussten Griechentums, geht dabei mit besonders gutem Beispiel voran. Auch das früher im Westen eher negative Makarios-Bild hellt sich heute auf.

Im VN-Gespräch zieht Botschafter Ieronymides Bilanz: „Tatsächlich bieten die derzeitigen Gegebenheiten Grund zur Hoffnung auf eine Lösung des Zypernproblems. Um diese zu erreichen, muss aber auch die Türkei ihre negative Rhetorik aufgeben und Zeichen von Versöhnungsbereitschaft setzen.“ Ankaras Politik einer Zweiteilung Zyperns ist genauso überholt wie das alte, seinerzeit verständliche Anliegen der Zyperngriechen, die „Enosis“, d.h. die Vereinigung mit Griechenland.

Botschafter zuversichtlich

Die militärische Teilung Zyperns 1974 brachte die Vertreibung von Griechen, Armeniern und Maroniten aus dem „rein“ türkisch gemachten Norden und die fast vollständige Aussiedlung der Zyperntürken vom Süden mit sich. Kann eine bundesstaatliche Verbindung beider Gebiete früher oder später auch zu wieder engem Zusammenleben der beiden Volksgruppen führen? Botschafter Ieronymides: „Ich bin in Limassol aufgewachsen. Mein Elternhaus und die Schule lagen im Viertel Hagios Antonios, wo Zyperngriechen und Zyperntürken miteinander harmonisch seit Menschengedenken zusammenlebten. Meine besten Freunde waren ebenso Nikos, Kostas und Andreas wie Raif, Ahmet und Raschit. Seit 1973 habe ich sie aus den Augen verloren. Ich glaube aber an eine Zukunft, die uns wieder zusammenführen wird.“

Ich glaube an eine Zukunft, die uns wieder zusammenführt.

Marios Ieronymides
Verbotene Zone: Hinweis auf Türkisch und Englisch. Foto: RTS
Verbotene Zone: Hinweis auf Türkisch und Englisch. Foto: RTS

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